Die Tragödie von Krefeld oder von der Doppelmoral, Heuchelei und Dekadenz in unserer Gesellschaft (2)

30 tote Affen in Krefeld. Gestorben bei einem Brand unter mysteriösen Umständen. Und eine ganze Nation scheint zu trauern. Die Medien, ob on- oder offline, stürzen sich wie die Geier auf diese Meldung. Denn das verspricht viel Aufmerksamkeit. Und tatsächlich ist die Rechnung aufgegangen. In den sozialen Medien scheinen sich die Menschen darin zu überbieten, wer mehr Mitgefühl und Trauer für diese armen Kreaturen aufbringen kann. Aufgerufen wird zu Mahnwachen und Trauerkundgebungen. Und sie folgen dem Ruf in Scharen. Natürlich, es ist schrecklich und eine Tragödie. Immerhin sind 30 Lebewesen umgebracht worden, die in diesen Stallungen gar nicht sein sollten, sondern vielmehr in ihrer Heimat, bei ihren Familien.

Doch da hört sich das Mitleid schon wieder auf. Wir wollen sie hier haben und begaffen können. Kein Mensch macht sich darüber Gedanken, wie unglücklich diese Tiere in Gefangenschaft sind, denn schließlich dienen sie unserem Amüsement. Aber was noch irritierender wirkt, sind die vielen Meldungen von Stallbränden, die das ganze Jahr über, fast täglich, verlautbart werden, bei denen nicht 30, sondern mitunter hunderte, wenn nicht tausende Tiere – wie im Fall des Brandes eines Hühnerstalls – lebendig verbrennen. Doch da wird keine Staatstrauer ausgerufen, niemand ruft zu Demos oder Mahnwachen auf. „Lecker Grillhähnchen!“, entblöden sich nicht so manche zu kommentieren. Das ist es dann und man geht zur Tagesordnung über. Der Unterschied ist wohl, dass es sich bei den Opfern doch bloß um sog. Nutztiere handelt, also um Schweine, Kühe und Hühner, in erster Linie. Darüber hinaus würden wir gar nicht mehr fertig werden, vor lauter Mahnwachen. Da nehmen wir es eben als gegeben hin. Ganz abgesehen davon, dass diese Tiere eh nur auf ihre Schlachtung warteten. Was soll man sich da weiter darüber Gedanken machen. War doch bloß ein Einzelfall. Nur, dass diese Einzelfälle merkwürdiger weise fast täglich geschehen. Warum ist es möglich, sollte man sich fragen, dass ein Stall, in dem Tiere gehalten werden, die der Bauer so gut beschützt, als wären sie seine eigenen Kinder, so leicht in Flammen aufgeht? Am Boden zerstört sind die Inhaber*innen, bevor sie, mit Hilfe des Geldes der Versicherung, das Gefängnis noch größer wiederaufbauen. Es gab zwar einen Verdienstausfall, aber den wird man durch noch mehr Tiere auf noch engerem Raum, wieder wettmachen.

Wäre unsere so groß propagierte Tierliebe tatsächlich auch nur einen Pfifferling wert, so müssten tatsächlich Tag für Tag irgendwo Mahnwachen stattfinden. Nicht nur bei abgebrannten Ställen, sondern auch bei Tiertransportern, die einen Unfall hatten oder bei Schlachthäusern. Wollten wir wirklich in unserer Zugewandtheit zu unseren nichtmenschlichen Gefährt*innen auch nur in irgendeiner Weise ernst genommen werden, dann müssten wir noch heute sämtliche Ställe öffnen und die Tiere auf die Weide lassen, um ihnen zumindest den Hauch dessen zu bieten, was so gerne als artgerechte Haltung bezeichnet wird. Ganz abgesehen davon, dass wir davon absehen müssten, Küken zu schreddern, Ferkel unbetäubt zu kastrieren oder sie dem Stress einer Schlachtung am Fließband auszusetzen. Doch all das geschieht nicht. Niemand erhebt die Stimme dafür. Kein Blätterrauschen geht durch die Medien. Das Leben geht ganz normal weiter. Und steif und fest behaupten wir weiterhin, dass wir Tiere liebten, dass wir keinem Tier etwas zu Leide tun könnten. Brauchen wir auch gar nicht, das tun eh die anderen, die bezahlten Tierquäler und Mörder, so dass wir ohne Probleme übersehen können, wie abgrundtief verlogen und selbstverliebt eine solche Haltung ist. Darüber hinaus wollen wir diese Tiere ja essen, aber erst in einem Zustand, in dem man nicht mehr merkt, dass es sich bei unseren sog. Lebensmitteln eigentlich um Lebewesen handelt. Deshalb ist es auch gut, dass die Medien sich nicht weiter einmischen, denn wer will schon tagtäglich daran erinnert werden, was direkt neben uns passiert. Die Anwohner der KZs wollten es ebenso wenig, wie jene der Tierausbeutungsbetriebe und Schlachthöfe. Und dann kann man auch das Bild davon, ein guter Mensch zu sein, ohne Probleme aufrechterhalten. Wie einfach doch das Leben sein kann, wenn man nur an den richtigen Stellen blinde Flecken in der Wahrnehmung hat.

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