Weil es immer schon so war

Wir besuchten einen kleinen Hofladen in unserer Nähe, in dem die Stücke von toten Schweinen vom eigenen Hof verkauft werden. Regionale Schmankerl aus artgerechter Tierhaltung werden hier angeboten, so wird es angepriesen. Wenn man hineingeht, fällt über der Theke, in der die verarbeiteten Leichen zum Verkauf liegen, ein Bildschirm auf, auf dem in Dauerschleife Bilder laufen. Es zeigt den Hof, die Gebäude und den Laden, die Familie, die den Hof und den Laden betreibt. Was besonders ins Auge sticht, sind zwei Fotos, auf denen man Kinder mit einem Ferkel spielend im Stroh sieht. Was für eine verlogene Welt, denn dieses eine, kleine Ferkel hat genau einmal in seinem Leben das Tageslicht und Stroh gesehen, nämlich als das Foto gemacht wurde. Dann wurde es zurückgesetzt zu den anderen, auf den Vollspaltenboden und neben die Mama im Kastenstand.

Doch wenn man die Bilder sieht, wird einem suggeriert, ja, so leben unsere Ferkel. Dies mit Absicht. Ob ihr die Tiere nicht leid täten, fragten wir die Bäuerin. Nein, sie täten ihr nicht leid, aber die Hunde, die in kleinen Wohnungen lebten, die schon. Denn das sei nicht artgerecht. Auch. Also ist die Schweinehaltung nicht artgerecht. Natürlich, es wäre schön, sie auf der Weide herumlaufen lassen zu können, aber das geht nun mal nicht, wegen dem Platz und wegen der Arbeit. Man muss doch nur mal schauen, wie viel Platz Wildschweine in Anspruch nähmen. Und dann noch die ganze Arbeit. Wo man sich doch fragt, wo die ist.

Das Mutterschwein wird besamt und kommt in den Kastenstand, wo sie die Babies bekommt und säugt. Von dort kommen die Kleinen nach ein paar Wochen in einen anderen Verschlag, ebenfalls auf Vollspaltenböden. Die Fütterung erfolgt automatisch über eine Fütterungsmaschine. Ebenso verfährt man mit dem Wasser. Es muss auch nicht ausgemistet werden, denn die Schweine, die in ihrem sechsmonatigen Leben kein natürliches Licht und kein Stroh sehen, drücken ihre Fäkalien direkt durch die Spalten nach unten, Spalten in Betonböden, auf dem sie sich wundreiben und unter den Dämpfen leiden, die von den Fäkalien aufsteigen, die in den Augen brennen und das Atmen erschweren. Aber das ist alles rechtlich in Ordnung, ist überprüft und kontrolliert worden. Es stimmt schon, die Haltung von Schweinen auf Vollspaltenböden ist in Österreich erlaubt. Vollspaltenböden und gerade so viel Platz, dass sie sich hinlegen können. Das ist die Vorschrift. Die wird eingehalten, aber das heißt noch lange nicht, dass es gut ist. Vor allem, wenn den Konsument*innen etwas anderes vorgegaukelt wird mit dem süßen Ferkel mit den Menschenkindern auf Stroh. Keiner fragt nach.

Doch wenn dann wer kommt und diese idyllischen Bilder hinterfragt, gar zeigt, wie es wirklich aussieht, dann wird man als Verleumder hingestellt, die die Familie zerstören wollen. Und man kann auch nichts anderes machen, weil man das schon immer so gemacht hat. Da hat es auch noch nie ein Problem gegeben. Ein Betrieb, in dem es genau so gehandhabt wird, wie in 80% der anderen in Österreich. Bisher wurde es so gemacht, weil niemand nachgefragt hat. Es ist auch nichts Neues, dass die angegriffen werden, die die Wahrheit ans Licht bringen. Ein weiteres Mal die Frage, ob ihr die Tiere nicht leid täten. Nein, die wiederholte Antwort, doch nun mit der Begründung, dass die Tiere ja dafür da seien, also dafür, dass sie unter widrigsten Bedingungen innerhalb kürzester Zeit gemästet werden, um dann geschlachtet zu werden. Man fragt sich, wer das beschlossen hat, dass sie dafür da seien. Weil es eben so ist. Wahrscheinlich noch mehr, weil es immer schon so war. Genau dieselben nichtssagenden Argumente, die jene anbrachten, die gegen die Emanzipation der Frauen, die Befreiung der Sklaven oder die Rechte der Arbeiter*innen waren und sind. Weil es immer so war und weil es ihre Bestimmung ist. Nun kann man sich dem anschließen oder selbst denken. Und ja, mir tun die Tiere leid, weil sie leiden. Wenn wir uns gemeinsam dazu entschließen, diesen und allen anderen Tieren kein Leid mehr zuzufügen, dann muss und wird es auch anders gehen. Jede*r von uns hat die Möglichkeit diesen Misshandlungen ein Ende zu setzen, bei jedem Einkauf. Bei jedem Essen. So, dass die Welt ein klein wenig besser wird.

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