Blutstuten

Die Sonne scheint. Ich stehe am Rand einer Koppel und beobachte eine Stute und ihr Fohlen. Das Kleine tobt sich aus, aber wenn irgendetwas ist, was es erschreckt, dann läuft es ganz schnell zur Mama. Dort versteckt es sich und fühlt sich sicher, geborgen und aufgehoben. Es tut so gut, das zu sehen, doch dann muss ich unwillkürlich an einen Bericht denken, den ich vor Kurzem gesehen hatte, über Stuten, die Mütter werden sollten, aber es niemals durften, weil ihnen vor der Zeit grausamst das Baby entrissen wird, ungeboren, direkt aus dem Mutterleib, indem die Fruchtblase aufgeschnitten und das Kleine herausgenommen wird, bloß um es auf den Müll zu schmeißen. Und weil das alles so grauslich ist, dass man am liebsten gar nichts davon wissen will, passiert es in dem Fall nicht hinter verschlossenen Türen, sondern ganz weit weg von Wohlstand und Gutbürgerlichkeit, in Uruguay und Argentinien. Und wozu das Ganze?

Seit ungefähr 35 Jahren wird schwangeren Stuten zur Gewinnung des Hormons PMSG (Pregnant Mare Serum Genotropin) zwischen dem 40. und 120. Schwangerschaftstag Blut abgenommen. Dieses Hormon kommt in Europa in der industriellen Tierzucht zum Einsatz, um die Abläufe zeitlich aufeinander abzustimmen und Produktionsleerzeiten zu vermeiden. Importiert wird das Hormon von europäischen Pharmafirmen. Dabei werden die Stuten systematisch gequält und in Zwangsvorrichtungen getrieben, damit das Blut in so kurzer Zeit wie möglich gewonnen werden kann. Darüber hinaus soll das pro Tier zwei Mal im Jahr möglich sein. Deshalb ist es notwendig die Schwangerschaft zu unterbrechen. So werden mehr als 20.000 Babies jedes Jahr zu Opfern der Hormonindustrie für die europäische Milch- und Fleischindustrie. Bei der Blutentnahme werden den Stuten bis zu 25% des Gesamtvolumens jede Woche abgenommen und das zweimal jährlich über 11-12 Wochen. 30% der werdenden Mütter überleben diese Prozedur nicht. Auch wenn sie überleben und nicht mehr trächtig werden, kommen sie auf einen EU-zertifizierten Schlachthof und ihr Fleisch landet auf europäischen Tellern. Weitere dieser Geschöpfe sterben an Schwäche oder den Folgen der Abtreibungen. Die Kadaver liegen dann auf den Weiden der Blutfarmen. Doch wäre dies noch nicht grausam genug, kann man Filmaufnahmen (https://youtu.be/UEf4ryxRby4) entnehmen, dass die bereits so gemarterten Tiere noch zusätzlich mit Eisenhaken und Holzprügeln geschlagen und systematisch Gewalttätigkeiten gegen die weiblichen Genitalien ausgeübt werden. Die europäischen Pharmaunternehmen geben vor von nichts zu wissen und meinten, sie vertrauten den Aussagen der örtlichen Behörden und Staatsorganen. Man will es nicht sehen und nicht wissen, denn dann kann man sich dumm stellen. Und diese Quälerei dient nur dazu, andere Tierqualfabriken so reibungslos wie möglich funktionieren zu lassen, d.h. wie die Maschinen. Wenn ein Tier in den Fabriken für was nutze sein soll, muss es so schnell wie möglich schwanger werden, am besten 1.000de zur gleichen Zeit, denn dann gebären sie auch gleichzeitig und alles ist gut berechenbar. Fatal ist nur, dass bei Schweinen z.B. durch die Hormongabe mehr Ferkel zur Welt kommen, als die Mutter Brüste hat, was dazu führt, dass die Schwächeren nicht zum Trinken kommen und sterben. D.h. dass künstlich mehr zur Welt kommen, als ernährt werden können, bloß um sie elend krepieren zu lassen. Das ist die makabre Logik einer hochtechnisierten, naturfremden, auf Gewinnmaximierung ausgelegten High-Tech-Vermehrungs-Anstalt, in der die Lebewesen nur mehr als funktionierende Maschinen betrachtet und auch so behandelt werden. Jahr für Jahr werden Millionen dieser unschuldigen Geschöpfe zu Opfern einer Art der Ausbeutung, die ihresgleichen an Grausamkeit sucht. Geboren für den Müll. Niemals ein Leben zu haben, ja nicht einmal die kleinste Hoffnung darauf. Es wird gefordert, damit wir unseren desaströsten, umweltzerstörenden, pandemienerzeugenden Lebensstil ohne Einbußen fortsetzen zu können, denn der Konsument fordert billig, billiger, am billigsten. Und das wird ihm auch geboten. Im Gegenzug verschließt er die Augen und tut so, als würde er von nichts wissen. Deshalb muss es erzählt werden, immer und immer wieder, bis wir in einer Welt leben, in der jede Mutter mit ihrem Kind an ihrer Seite das Leben genießen kann, am besten in Freiheit.

2 Gedanken zu „Blutstuten

  1. Anneli Treibig

    Wie irre sind Menschen denn noch? Glauben sie so sehr an sich, dass sie sich einbilden Gott spielen zu können und das Leben von Tieren zu riskieren? Für ein Tier ist eine Kind genauso heilig wie es dem Menschen sein
    sollte! Wir sind nicht perfekt, warum werden Tiere jeder Art so angesehen, als müssten sie wie ein menschliches Model zur Schau stehen!

    Gefällt 1 Person

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