Fuchsjagd

Diesen Blick werde ich nie vergessen, den die Füchsin aus dem Loch zu den vier Jägern warf, völlig verängstigt, denn dieses Loch, in dem sie saß, war gerade eben noch eine Höhle gewesen, in der sie Sicherheit und Zuflucht gefunden hatte, doch mit Schaufeln hatten sie diese zerstört, so dass kein Schutz mehr da war vor den Männern mit den Flinten, die sie grinsend und siegessicher ansahen. Ihr erster, natürlicher Impuls wäre es wohl gewesen, wegzulaufen, doch sie konnte nicht, denn dann hätte sie ihre tapsigen kleinen Babies, die sie nun nur mehr mit ihrem Leib abschirmen konnte, alleine lassen müssen. Würden sie sich erweichen lassen, die großen Menschenmänner mit den todbringenden Gewehren? Aber nein, sie lachten nur hämisch und erschossen frohen Mutes, erst die Füchsin und dann die Babies, feig und niederträchtig. Aber wir müssen die Füchse schießen, heißt es. Das bedeutet aber nicht, dass es so geschehen muss.

Da ist es sicher viel lustiger, wenn sich ein Dutzend Menschen auf Pferden versammeln, die einem Fuchs hinterherjagen, bis er so erschöpft ist, dass er keine Chance mehr hat. Zusätzlich haben sie noch eine Hundemeute dabei. Das ist dann ein gesellschaftliches Event. Wer es billiger und einfacher haben will, der greift den Fuchs gleich im Bau an. Natürlich nicht höchstpersönlich, sondern der Hund stöbert den Fuchs auf und holt ihn heraus. Das muss der Hund vorher üben. Dazu werden Füchse eingefangen und in einen simulierten Bau gesetzt. Und der Hund wird eingewiesen. Zum Schluss muss er eine Prüfung absolvieren und erhält eine Medaille. Woraufhin der Hund sehr stolz ist, soweit er es überlebt oder nicht an schweren Blessuren laboriert. Aber die Jagd ist fortschrittlich und tierfreundlich. Deshalb wird die Praktik des Antrainierens zwar nicht aufgegeben, aber zwischen Hund und Fuchs kommt ein Gitter, so dass der Hund zwar lernen kann, dem Fuchs jedoch nichts passiert. „Nein, nein, der Fuchs ist dabei nicht panisch“, erklärt mir der dafür zuständige Jäger, „Der ist völlig phlegmatisch, weil er es von klein auf gewöhnt ist. Schließlich kennt er es nicht anders.“ Aber warum werden Füchse überhaupt geschossen, wage ich zu fragen. Nun, weil der Fuchs die Rehe reißt, wird mir erklärt. Mit dem Fell kann man nichts anfangen. Dafür bekommt man so gut wie nichts. Und außerdem müsste man so viele Rehe schießen, weil die so überhandnehmen. Um auf den Widerspruch aufmerksam zu machen, dazu fehlt mir der Mut. Außerdem sorgt der Fuchs dafür, dass sich die Mäusepopulation im Rahmen hält. Werden Füchse geschossen, nehmen die Mäuse überhand und zerstören die Ernte, aber in dem Fall sind die Jäger wenig solidarisch mit den Bauern, wie sie es sonst z.B. bei der Eindämmung der Wildschweine gerne nach außen kehren. Letztendlich gibt es nur eine Erklärung, die die Bejagung des Fuchses plausibel erscheinen lässt, zumindest aus der Sicht der Jäger. Der Fuchs ist ein Beutegreifer und damit ein Konkurrent. Und so wie man Schakal, Wolf und Bär so schnell wie möglich ausrotten musste, so macht man es mit dem Fuchs. Denn dann hat man eine plausible Erklärung Hirsche, Rehe und Wildschweine abschießen zu müssen, die sich aus Mangel an fehlenden natürlichen Feinden fröhlich weitervermehren. Man kommt um den Verdacht nicht herum, dass jeder Eingriff der Jäger in die Natur nur dazu führt, dass sich mehr Probleme auftun, als zuvor da waren. Mehr noch, es gäbe kaum Probleme, würden sich die sog. Heger und Pfleger nicht wichtig machen und die Natur einfach in Ruhe lassen. Natürlich, ganz so einfach ist es nicht mehr, nachdem der Mensch einen Großteil des natürlichen Lebensraumes der meisten Wildtiere zerstört hat. Egal wie man es dreht, die Jagd ist nichts weiter als Lust am Morden und an der Unterwerfung. Gerade bei der Niederwildjagd, bei der bei einer einzigen Jagd oft hundert Tiere zur gleichen Zeit ermordet werden, werden anschließend die Leichen einfach entsorgt. Sinnloser kann ein Tod nicht sein.

Und ich konnte eigentlich nur hoffen, dass sie es schnell machen, die Männer mit den Gewehren, die um das Loch stehen, in das sich die Füchsin mit ihren Babies duckt. Schnell und treffsicher, um sie nicht noch mehr leiden zu lassen, obwohl ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass sie umso mehr Spaß haben, desto verängstigter die Füchsin ist, weil es ihre Macht und Potenz bestätigt, aber da kann ich mich auch irren.

4 Gedanken zu „Fuchsjagd

  1. oma99

    Guter Text und den sollten alle die Jagdverfechter lesen.
    Ein kleiner Fehler ist darinnen: Zitat „Nun, weil der Fuchs die Rehe reißt, wird mir erklärt.“ – hier muß ich widersprechen, denn der Fuchs reisst keine rehe, dazu ist er viel zu klein und wenn er tatsächlich mal ein Kitz erwischt, dann ist dies eine Ausnahme. Der Fuchs jagd Heckennister, bzw. deren Nester, Mäusen und Kaninchen und Hasen. Kein Hochwild, wie es Rehe darstellen.

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