Ein Leben voller Leiden

Es begann am ersten Tag, ja im ersten Moment meines Lebens, ein Leiden, das erst mit meinem Tod sein Ende fand. Ich war ein Schwein, bloß ein Schwein. Wäre ich als Hund auf die Welt gekommen, die halbe Welt hätte Zeter und Mordio geschrien, wenn ich so behandelt worden wäre, aber ich war ja bloß ein Schwein, ins Leben geholt, um einem sechs Monate währenden Martyrium ausgesetzt zu werden, damit ich gegessen werden konnte. Ein Leben. Kein Leben eigentlich. Von Anfang an. Aber ich gehörte einen Menschen und Menschen dürfen mit ihrem Eigentum machen, was sie wollen, auch wenn in diesem Eigentum ein Herz schlägt. Es ist egal. Fast. Hunden geht es anders. Auch Katzen. Aber nicht Schweinen.

Meine Mama brachte mich zur Welt. Ich flutschte aus ihr heraus, verklebt und blutig lag ich da, so wie 13 andere. Eigentlich hätte sie die Nabelschnur durchgebissen, mich sauber geleckt und warmgehalten. Hätte sie, wenn sie gekonnte hätte, aber es war ihr nicht möglich sich zu bewegen. So war ich meiner Mama ganz nahe, aber sie durfte nicht für mich da sein, mich nicht umsorgen, wie es jede Mama tut. Ich schrie. Sie hörte mich. Es war nicht zu ändern. In der Halle herrschte ein schummeriges Licht und es stank entsetzlich. Ich fror. Ein Mensch kam, schnappte einen nach den anderen, trocknete uns unsanft ab, schnitt die Nabelschnüre durch und warf uns zurück. Dann mussten wir trinken. Eine von uns war zu schwach und blieb einfach liegen. Zwei Tage später war sie tot. Sie wurde eingesammelt und weggebracht, nachdem ihr zwei Tage Zeit gelassen wurde, um zu krepieren. Ich trank. Es war ein Kampf sich zwischen all den Geschwistern zu den Brüsten durchzuzwängen. Nur das. Ich lag auf den Spalten und es war mir elend zumute. Einfach nur elend. Da wir nichts als das diffuse Licht, die Kälte, der Gestank und ein ständiger Lärm. Meine Mama hätte uns vorgesungen, unter normalen Umständen, aber das ging nicht. Ein paar Tage später wurde ich wieder herausgenommen, auf den Bauch gedreht und im nächsten Moment spürte ich einen Schmerz, der mich zu zerreißen drohte. Ich schrie und schrie und schrie, aber der Schmerz ging nicht weg. Dem Menschen war es egal. Hörte er es denn nicht? Ich hörte erst auf zu schreien, als mich die Erschöpfung ereilte und ich einschlief. Der Schmerz blieb, viele Tage lang. Dann kamen wir von Mama weg, in einen anderen Verschlag. Meine Augen brannten und ich musste ständig niesen. Dicht an dicht standen wir. Die Gelenke schmerzten und am harten Boden scheuerte ich mich wund. Es gab nichts zu tun, als zu essen und zu stehen. Ich wusste nicht, was mehr schmerzte, das Stehen auf diesen Spalten oder das Liegen darauf. Warum nur mussten wir da herinnen bleiben? Warum gab es so wenig Platz? Zwei Mal wurden die Kojen erweitert, aber deshalb gab es nicht mehr Platz, weil wir immer größer wurden. Bloß wenn welche wegstarben. Sie hatten es überstanden. Doch dann kam der Tag, da wurden die Tore geöffnet und wir hinausgetrieben. Hell und freundlich war es da und alles wirkte so weit. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, frei atmen zu können. Da wäre ich gerne geblieben. Doch das war nur für einen kurzen Moment, denn dann wurden wir schon wieder zusammengedrängt. Stundenlang standen wir in etwas, das sich bewegte. Qualvolle Stunden ohne Futter und Wasser. Eiskalt war es da. Wir kuschelten uns aneinander, um uns so gut wie möglich zu wärmen, aber es nützte nicht viel. Als sich das Tor abermals öffnete, sah ich dieses wunderschöne Licht, atmete die klare Luft noch einmal. Insgesamt zwei Mal in meinem Leben war ich draußen gewesen. Dann kamen wir wieder in eine Halle. Wir wurden in einen Aufzug gesperrt. Verzweifelt rang ich nach Atem, doch was ich einatmete führte dazu, dass mir die Sinne schwanden. Nicht genug, um nicht im brühend heißen Wasser wieder zu mir zu kommen. Das letzte Mal. Dann war ich tot. Und ein kurzes, leidvolles Leben hatte sein Ende gefunden. Konnte man das denn tatsächlich Leben nennen?

Jedes Jahr erleiden Millionen von Schweinen in Österreich dieses Schicksal. Sagen wir endlich Nein! zu Vollspaltenböden, betäubungsloser Ferkelkastration und endlosen Qualtransporten.

Unterzeichnet die Petition gegen das Leid unserer Schweine auf Vollspaltenboden und für Stroheinstreu.

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