Vegan heißt ja zum Leben sagen (5)

Ein wenig mulmig war Liv schon zumute, als sie sich der Haustüre näherten, nachdem was alles im Ort über diese Zoe gemunkelt wurde. Natürlich wurde gerne viel erzählt, ganz gleich ob es stimmte oder nicht, aber irgendetwas musste doch dran sein. Ihr Vater läutete energisch und wenige Minuten später stand ihnen eine Frau gegenüber. Sie war ganz in schwarz gekleidet und das kurzgeschnittene dunkle Haar stand ihr kurz vom Kopf ab. Auf ihrem T-Shirt stand „Life Liberation League“.
„Hallo!“, sagte sie lächelnd, nachdem sie ihren Blick über die kleine Gruppe hatte schweifen lassen, „Was kann ich für Euch tun?“
„Hallo!“, erwiderte Livs Vater, „Ich möchte uns erst einmal vorstellen. Meine Tochter Liv, unser Hund Nanna und unser Neuzugang Runa.“ Damit wies er auf das kleine Baby, das selig in Livs Armen schlief. „Und mein Name ist Hektor. Wir sind gekommen, weil wir sonst niemanden wissen, der uns helfen kann.“

„Ich würde sagen, ihr kommt erst mal rein und wir besprechen alles bei einer Tasse Tee“, schlug Zoe vor. Ohne eine Antwort abzuwarten, bugsierte sie die vier ins Haus und ließ sie im Wintergarten Platz nehmen. Minuten später saßen sie, versorgt mit dem angekündigten Tee, um den Tisch. „Nun, was kann ich für Euch tun? Wie kann ich Euch helfen?“
„Ich habe heute dieses Baby gerettet, aus einer Mülltonne“, begann Liv ohne weitere Vorrede, „Und seit ich diese Mülltonne gesehen habe, die Schreie der Schweine aus dem Stall gehört habe, ist es, als wäre alles, was ich bisher gemacht habe, völlig falsch. Es ist, als wäre ich unversehens erwacht und die Welt eine andere ist, als sie es gerade eben noch war. Ich sehe, was ich vorher nicht sah. Ich höre, was ich vorher nicht hörte. Ich fühle, was ich vorher nicht fühlte. Und das sagt mir, dass so vieles geändert gehört, aber niemand sonst.“
„Deshalb hat meine Tochter auch verweigert Fleisch zu essen, heute“, fuhr nun Hektor fort, „Vor vielen Jahren ist es mir auch so ergangen. Doch dann kamen die Heirat und das Hausbauen und die Kinder und ich hatte es vergessen oder besser verdrängt. Es war anstrengend genug. Doch als Liv heute davon sprach, da wusste ich, es gibt keine Ausreden mehr, keinen Grund sich nicht endlich einzugestehen, dass es das einzig richtige ist. Dann ist genau das passiert, was ich erwartet hatte. Wir stießen auf völliges Unverständnis. Und das in der eigenen Familie. Livs Mutter, meine Frau, hat uns aus dem Haus geworfen. Wir sollten wiederkommen, wenn wir wieder normal wären, also wieder Leid verursachen.“
„Ich verstehe nicht, warum meine eigene Mutter so reagiert, als hätten wir ihr was getan“, meinte Liv kopfschüttelnd.
„Das ist einfach erklärt“, meinte Zoe nachdenklich, „Eigentlich hätte mich jede andere Reaktion gewundert, denn was ihr da macht, das ist nichts weniger als eine Revolution, und zwar die sanfteste Revolution der Welt. Verbinden wir mit Revolution Zerstörung und Niedergang, was auch in diesem Fall stimmt, nur, dass keine Dinge zerstört werden, sondern nur das, was zerstört, was das Leben negiert und die Erde vernichtet. Denn es weist die Menschen darauf hin, dass das, was sie bisher taten zu Vernichtung und Tod führt. Wenn sie das nicht mehr wollen, dann müssten sie ihr Leben komplett ändern. Das würde aber wiederum bedeuten, dass sie sich eingestehen müssten, bisher vieles falsch gemacht zu haben. Nun wollen sie weder was ändern, noch Eingeständnisse machen. Deshalb geht man auf die los, die diese Botschaft bringen. Auch wenn es wenig logisch erscheinen mag, weiter an seinem eigenen Untergang zu arbeiten, so ist es doch nachvollziehbar. Wer sich für ein veganes Leben entscheidet, muss sich darüber im Klaren sein, dass sie/er jeglichen Missbrauch ans Licht bringt. Deshalb ist auch die logische Konsequenz, dass vegan lebende Menschen mit allen nur erdenklichen Mitteln bekämpft und diskreditiert werden, und das nur, weil sie sich für Andere einsetzen.“
„So gesehen klingt es plausibel, wenn auch nicht sehr ermutigend“, meinte Hektor, „Aber wie kann man die Menschen davon überzeugen, dass man eigentlich was Gutes will, dass eine Veränderung positiv sein kann? Wie kann man auch andere sehend, hörend und fühlend machen, so dass sie verstehen?“

Hier geht es zu Teil 6

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