Normal und extrem

Normal ist es kurz vor Weihnachten einen gefällten Baum ins Haus zu bringen und ihm langsam beim Sterben zuzusehen, während das sog. Fest der Liebe gefeiert wird. Ab dem 06. Januar sieht man dann überall die Baumleichen herumliegen, ausgedient, weggeworfen und das alles für eine paar Tage der Behübschung.

Extrem ist es, sich in der Natur einen Baum zu suchen, den man für die Wildtiere mit etlichen Leckerbissen behängt. Extrem, weil man den Baum leben lässt und die Behübschung nicht nur für sich selbst macht, sondern auch um anderen Gutes zu tun. Aber das extremste ist, dass man den Baum nicht käuflich erwirbt und besitzen will, sondern ihn einfach in Ruhe lässt.

Normal ist auch an Weihnachten, dass wir die Geburt des Jesuskindes feiern, während sich auf unseren Tellern die Tierleichen stapeln, auch die von Babies. Während wir das Leben zelebrieren wollen, steht allerorts der Tod im Mittelpunkt. Tod auf dem Teller und zwischen den Menschen, denen nichts bleibt, als die Geschenke, die leeren, hohlen Dinge zu favorisieren.

Extrem ist es hingegen, sich an Weihnachten gemeinsame Zeit und Aktivitäten, Lachen und Geborgenheit, Spiel und Spaß zu schenken, einen Platz, an dem man angenommen und zu Hause ist, jenseits aller materiellen Dinge.

Normal ist es in unserer Gesellschaft Babies in kleine Boxen zu sperren und im Freien stehen zu lassen, bei jeder Witterung und vor allem ganz alleine. Oder sie wahlweise auf Transporter zu verfrachten, um sie völlig unversorgt, bei Kälte oder Hitze, tausende Kilometer weit zu verbringen. Wenn sie unterwegs sterben, werden sie entsorgt, wie Müll.

Extrem ist es jedoch, keine Muttermilch mehr von anderen Spezies zu trinken, weil man nicht länger mitansehen will, wie Babies von ihren Müttern getrennt werden und diese jedes Jahr zwangsgeschwängert werden, mit zum Extrem aufgeblähten Brüsten. Aber noch extremer ist es, wenn man mit diesen einsamen, kleinen, verlassenen Babies Mitleid hat.

Normal ist es tausende Individuen in künstlich beleuchteten Hallen zusammenzupferchen, sie in Rekordzeit zur Schlachtreife zu bringen und sie mit Antibiotika vollzupumpen, damit sie selbst diese kurze Zeitspanne überleben.

Extrem ist es auf Fleisch zu verzichten, weil man nicht nur will, dass andere Lebewesen für mich sterben müssen, sondern auch unter so unwürdigen Bedingungen aufwachsen müssen, nicht mitverantwortlich sein will, dass ein Leben aus nichts als Marter und Leid und Schmerz besteht.

Normal ist es, Lebewesen direkt zu entsorgen, bloß, weil man sie im Produktionsprozess nicht brauchen kann. So wie Millionen von Küken, die direkt nachdem sie aus dem Ei geschlüpft sind, in den Schredder wandern.

Extrem ist es, keine Eier zu verzehren, bloß weil man nicht die Mütter ständig um ihre Babies zu bringen, nicht zusehen zu wollen, wie sie durch den ständigen Druck Eier zu legen, innerhalb kürzester Zeit völlig ausgebeutet werden.

Normal ist es zu wissen, dass ständig neue Pandemien in den Ställen gezüchtet werden und Antibiotikaresistenzen entstehen, so dass es sein kann, dass wir an der nächsten Lungenentzündung sterben, weil die Medikamente nicht mehr nützen.

Extrem ist es, all diese Praktiken zu verurteilen und für Natur, Tiere und Gesundheit der Menschen einzutreten.

Normal ist es, von diesen Zuständen erst gar nichts wissen zu wollen.

Extrem ist es, wenn man auf diese Missstände aufmerksam macht und eine Veränderung fordert.

Normal ist es, nicht über die Opfer zu sprechen, sie quasi auszublenden, weil es viel wichtiger ist, seinen Lebensstil zu verteidigen und es als ganz normal gilt, dass Millionen Leichen zu einem guten Leben verhelfen.

Extrem ist es, den Opfern ein Gesicht zu geben, hinter die Kulissen zu sehen, die man gerne im Verborgenen hält und die kriminalisiert, die die Illusionen zerstören.

Normal ist es, nekrophil zu sein.

Extrem ist es, für das Leben einzutreten.

6 Gedanken zu „Normal und extrem

    1. novels4utoo

      Das gehört mit in diese Liste – ich habe sicher einige andere Normalitäten auch nicht aufgeführt. Aber grundsätzlich geht alles gegen die Natur. Denn was gibt es Schöneres und Verbindenderes, als zu stillen – theoretisch, aber dann würden die Herrschaften auf ihren Muttermilchersatzprodukten sitzen bleiben. Stillen ist unwirtschaftlich.

      Gefällt 2 Personen

Schreiben Sie einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Verbinde mit %s