Dr. Basti baut Brücken

„Da ist er ja, unser Tierfreund“, zeigt sich der Bauer Adolf erfreut, „Komm, setz Dich her, nimm eine Brotzeit mit uns. Feinster Speck von unseren glücklichen Schweinen und ein Schnapserl. Trinkst ja Schnapserl? Ein Zirben. Selbst angesetzt. Das ist nicht so wie das grässliche, gepantschte Zeug aus dem Supermarkt.“

„Danke für die Einladung“, sagt der Basti, „Aber ich will keine Umstände machen.“

„Ach was Umstände. Was ihr immer so kompliziert sein müssts, ihr Stadtmenschen, aber Du wirst es auch noch lernen“, meint der Adolf, „Hearst, Alosia, bring noch ein Gedeck. Der Gstudierte isst mit uns.“

„Ja, wirklich, mit uns einfache Leute“, sagt die Aloisia, als sie durch die Küchentür in die Stube tritt, mit einem breiten Lächeln, „Das ist aber schon eine Ehr. Und das wo er auch so gut über uns red, der Herr Doktor. Nicht so wie die anderen. Stimmts Adolf.“

„Na was, da kannst einen drauf lassen“, erwidert der Adolf im Brustton der Überzeugung.

„Aber Adolf, schau mal was Du sagst“, wirft die Aloisia scheu ein, während sie das Brett mit der Brotzeit vor den Herrn Doktor aus der Stadt stellt.

„Wir reden halt, wie uns der Schnabel gewachsen ist, Sie müssen schon entschuldigen“, erklärt der Adolf.

„Bitte, seien Sie so wie immer“, meint der Basti versöhnlich, „Es geht ja um Authentizität, das Kraftvolle, das Ursprüngliche. Ich möchte eine Aussöhnung finden, zwischen Stadt und Land und das verzerrte Bild der Landwirtschaft, das die Gegner zeichnen, wieder geraderücken. Damit die Menschen endlich erfahren, was für gute Menschen, die Landwirte sind und vor allem, wie sehr ihnen ihre Tiere am Herzen liegen.“

„Das kannst aber glauben“, bestätigt der Adolf, „Wollen wir in den Stall gehen? Dann zeig ich Dir alles.“

„Aber sehr gerne“, antwortet der akademisch Verbildete gegenüber dem vor Traditionsbewusstsein Strotzenden.

„Na dann komm einmal rein“, sagt der Bauer ein paar Minuten später, nachdem er die Stalltüre geöffnet hat und den brückenbauenden Tierfreund hereinbittet, der sofort die Nase rümpft. Der Adolf, dem das nicht entgeht, meint, „Da siehst, was wir erdulden, weil die Viecher so stinken. Aber man gewöhnt sich daran, können ja nichts dafür, die armen Viecherln, gel. Moment, ich hol nur das dort hinten heraus. Schau, das ist schon halb hin, weil halt nur die Stärksten durchkommen. Aber wir lassen es nicht einfach krepieren. Wir haben eine Betonmauer.“ Damit nimmt der das Tier und schlägt seinen Kopf so lange gegen die besagte Wand, bis es sich nicht mehr rührt und keinen Laut mehr von sich gibt. Kurz schluckt der Basti, dann reißt er sich zusammen, ja das ist wahre Tierliebe, statt eines langen, sinnlosen Leidens nur ein kurzes.

„Wahrhaft human“, sagt er deshalb.

„Siehst, endlich wer, der das versteht“, fühlt sich der Adolf bestätigt, „Dann musst aber auch noch mitkommen zu den Ferkeln. Es ist an der Zeit, die Burschen zu kastrieren. Schau, da nimmt man es, dreht es auf den Rücken, machst zwei Schnitt, ritsch-ratsch und reißt die Hoden raus. Das spürt ja noch nichts.“

„Und warum schreit es dann so?“, kann sich der Herr Akademiker nun doch nicht enthalten zu fragen, in seiner städtischen Überempfindlichkeit.

„Das ist nur ein Reflex. Brauchst Dir … Brauchen Sie sich Ihnen nichts zu denken“, meint der Bauer lapidar.

„Das habe ich mir eh gedacht“, sagt der Herr Doktor, „Denn die Bauern lieben ihre Tiere und behandeln sie gut.“

„Und das mit den Vollspaltenböden, weißt, wissen Sie, wie die das mögen, es ist so schön kühl im Sommer“, ergänzt der Landwirt.

„Kühl im Sommer“, wiederholt der Gast, immer noch kreidebleich im Gesicht, um sich dann doch zusammenzureißen, „Denn in Österreich gibt es schließlich keine Massentierhaltung, nur im bösen Ausland.“

„Genau, und darauf trink ma jetzt noch einen, einen Zirben“, erklärt der Bauer, während ihm der agrarisch Ungebildete, aber ansonsten wissenschaftlich Verdorbene, folgt.

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