Wir lieben Pandemien

Heute vor genau einem Jahr wurde in Österreich der erste Lockdown, nach einer allgemeinen Ankündigung und ungezählten Zusammentreffen, die durchaus mitgeholfen haben, das Virus noch schnell tatkräftig zu verbreiten, in die Tat umgesetzt. Wer sich erinnert, alle Geschäfte schlossen, außer denen, die die Grundbedürfnisse befriedigen sollten, die Gastronomie, die Schulen und die Menschen, für die es möglich war, arbeiteten im Home-Office. Wenn man einkaufen ging, dann nur mit Maske, Desinfektionsmittel und dem Babyelefanten. Wegen dem Abstand war es, wer sich erinnert. Geradezu gespenstisch war es auf den Straßen. Damals wurden die Beschränkungen sehr ernst genommen und sicherheitshalber Klopapier und Nudeln gehortet. Warum Klopapier, das wusste zwar niemand, aber nachdem einmal jemand damit angefangen hatte und einige es nachmachten, mussten es irgendwann alle tun. Nach dem Motto, „Ich kenne den Grund zwar nicht, aber wenn die anderen es machen, dann wird es einen geben und bis ich ihn entdecke, ist eventuell für mich nichts mehr übrig.“ Denn als erst kommt die Selbstversorgung und dann die Solidarität.

Doch wichtig war und ist, wenn es alle machen, dann muss es gut sein. Wenn alle sich an die Vorschriften halten, dann wird auch die Pandemie weggehen, wie von Zauberhand. Jetzt ist ein Jahr vergangen und was für eine Überraschung, das Virus zieht sich nicht nur nicht zurück, ganz im Gegenteil, es breitet sich aus und mutiert lustig vor sich hin. Und auch, wenn alle jammern und das alles nicht lustig finden und eigentlich zur sog. Normalität wieder zurück wollen, so ist es doch in Wahrheit so, dass wir unsere Pandemie lieben, so sehr, dass wir alles dafür tun, dass nichts gegen die Ursachen getan wird. Mehr noch, wir tun alles, um die Ursachen am besten noch zu verfestigen. Bekanntermaßen sind fast alle Pandemien Zoonosen, kommen also aus der Massentierhaltung oder entstehen durch unseren Umgang mit Wildtieren. Deshalb fressen wir noch mehr, noch billigeres Fleisch, das unter noch schlechteren Bedingungen gehalten wird. Wofür wir noch mehr Regenwald roden müssen, mit noch mehr Gülle Böden und Wasser verseuchen und viele weitere Arten aussterben lassen. Es ist so einfach, das neue Normal beizubehalten, indem man einfach immer mehr vom Gleichen macht. Natürlich machen wir pseudohalber Demos, weil wir unsere Grundrechte eingeschränkt sehen und die Regierung nun mal an allem schuld ist. Ja, sie trägt schon ihren Teil der Schuld, indem sie es versäumt die wahren Ursachen zu benennen, aber das geht nun mal nicht, weil da würde man denen auf die Zehen steigen, die sie finanziert. Und wenn wir uns ganz ehrlich sind, will es auch keine*r hören, denn sonst müssten wir an unserem Lebensstil was ändern, z.B. mit der Tier- und Menschenausbeutung aufhören und uns gesund und pflanzenbasiert ernähren. Wir müssten Abschied von dem Aberglauben nehmen, dass Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes II ab einem gewissen Alter zum Leben dazu gehören. Und nicht zu vergessen, die großartige Chance nächstens an einer Lungenentzündung zu krepieren, weil durch den großflächigen Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung, diese einfach keinen Nutzen mehr haben. All diese Überlegungen, die Art des Vorgehens und der Vermeidung der Vermeidung der Ursachen, lassen nur einen glaubwürdigen Schluss zu: Wir lieben die Pandemie, die Zerstörung der klein- und mittelständischen wirtschaftlichen Strukturen, die Verhinderung von Sozialkontakten vor allem für unsere Kinder und Jugendlichen und das prickelnde Gefühl, jederzeit jemanden anstecken zu können. Wir lieben die neue Normalität. Deshalb tun wir auch alles dafür, sie so lange wie möglich beizubehalten.

2 Gedanken zu „Wir lieben Pandemien

  1. oma99

    Auf den Punkt getroffen und doch sehr schonend ausgedrückt. Ich hoffe, Du erreichst hiermit viele Menschen und die überdenken dann mal die eigene Lebensweise, das eigene denken und handeln!

    Danke für diese Worte!

    Gefällt 1 Person

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