Tierwohl – Made in Austria

Wer die Bilder und Filme der aktuellsten Aufdeckung des VGT gesehen hat, war entsetzt, zurecht, wie ich meinte. Da sah man Mutterschweine in Kastenständen eingezwängt, sowie in sog. Abferkelboxen. Diese Eisengestelle sind gerade mal so groß, dass das darin gefangene Tier, genügend Platz hat, darin zu stehen. Schon beim Niederlegen berührt es die Nachbarin. Die Tiere sind übersät von offenen Stellen und Geschwüren, teilweise kindskopfgroß. Neben den Mutterschweinen die Ferkel, mit zerschnittenen Gesichtern, resultierend aus dem Kampf um die Zitzen. Degradiert zur Zitzenmaschine, die nicht anders kann, als das Kleine zu zerdrücken, wenn sie sich ein bisschen bewegt. Sie kann nicht ausweichen. Daneben verendende oder bereits verendete Babies, eingepfercht zwischen Scheiße und ihren Geschwistern, natürlich auf Vollspaltenboden. Die Mülltonnen sind voll mit toten Ferkeln. So weit die Ausgangslage. Die Menschen, die es sahen, wurden von einer großen Aufregung befallen. Ich bin nun sehr froh, dass ich Entwarnung geben kann und wir alle unser Entsetzen wieder einpacken können. Nicht die Umstände sind schuld, sondern unsere Ahnungslosigkeit.

Denn die zur sofortige Kontrolle beorderten Tierärzte, ein Amtstierarzt und zwei weitere Tierärzte, gaben an, „dass der Tierzuchtbetrieb artgerecht und ordnungsgemäß geführt wird“. Sie hätten keine relevanten Missstände vorgefunden. Darüber hinaus äußerte sich Pyhras Bürgermeister Günter Schaubach entsprechend: „Ich bin überzeugt, dass die Landwirte, egal ob Schweine- oder Rinderhaltung, engmaschig von den Behörden kontrolliert werden und alles für das Tierwohl getan wird.“ Dann ist ja alles in bester Ordnung, und das, was sich dem Auge bietet ist Tierwohl, Made in Austria, eines der höchsten, wie gesagt wird. Aber wie kann es dann passieren, dass Menschen sich einbilden, dass die Zustände grauenhaft und unwürdig sind?

Das hängt damit zusammen, dass die, die ihr Entsetzen äußern, einfach keine Ahnung von der Materie haben. Sie sehen sich Filme wie „Ein Schweinchen namens Babe“ oder „Wilbur“ oder die AMA-Fleischwerbung an, und meinten, es ginge tatsächlich so zu. Das sind verwöhnte Stadtmenschen, die noch nie in ihrem Leben gearbeitet haben. Nicht, weil sie etwas zu verheimlichen hätten, werden diese Betriebe unter Verschluss gehalten, sondern weil man vermeiden will, dass das nostalgieverklärte, landwirtschaftsfremde Auge, genau das daraus macht, was passiert ist, nämlich einen Skandal, wo gar keiner ist. Es ist schlicht der Lauf des Lebens. Die Abferkelbuchten sind nur zum Schutz der Ferkel da. Wären sie nicht da, dann würden sich die Mütter auf alle Ferkel legen und sie erdrücken. Auf der Weide, wo sie sich ein Nest bauen, da tun sie es. Sie warten bis sich alle Ferkel hingelegt haben, um sie dann zu erdrücken. Die einzigen Schweine, die das nicht tun, sind die Wildschweine, aber das auch nur um die Jäger*innen und Bäuer*innen zu ärgern, indem sie sich vermehren. Und wenn einige draufgehen, dann ist das wie in der Natur, nur die Stärksten kommen durch. Aber da kann man den empathieverzerrten, gefühlsdusseligen Nichtlandwirt*innen nicht klar machen. Auch den Tierrechtsaktivist*innen nicht, die sich da unbefugt Zutritt verschaffen. Sie merken einfach nicht, dass das alles zu ihrem Wohl passiert, damit das Fleisch auch nach wie vor schmeckt. Darüber hinaus darf man den Eroberungswillen der Schweine nicht vergessen. Wie wir alle aus „Farm der Tiere“ wissen, würden sie bei mehr Freiheit, vertrieben sie sonst die Menschen vom Hof und übernähmen die Herrschaft. Zuerst über den Hof und dann die Weltherrschaft. Darin haben allerdings nur Menschen Einblick, die durch Blasmusikverein und Kirchengang gestählt sind und die gottgegebene Ordnung kennen, die der Kreatur den untersten Platz zuweist, eingesperrt in einem Stall, ausgeliefert der Willkür des Menschen, der Krone der Schöpfung. Alles geschieht also im Einklang mit der Natur und innerhalb des Kreislauf des Lebens, dem immerwährenden Gesetz von „Fressen und Gefressen werden“ unterworfen. Nur die degenerierten Städter wollen das nicht wahrhaben, aber was wind- und wetter- und bestienkampferprobte Landwirt*innen sind, die wissen, dass man sich sentimentale Faxen nicht leisten kann. Deshalb sollen die, die keine Ahnung haben, vor der Wirklichkeit geschützt werden, wie die kleinen Kinder.

Warum nur werde ich dennoch dieses Gefühl nicht los, dass es sich keine Kreatur auf der Welt, nicht einmal die letzte Kakerlake, verdient hat, so behandelt zu werden? Sturheit, Uneinsichtigkeit und Traditionsbewusstsein, das sind die Ingredienzen aus denen gefühllose, machtgeile Menschen gemacht werden, die gelernt haben, sich unterzuordnen. Ist es dann ein Wunder, dass sie auf denen herumtrampeln, die sich nicht wehren können? Wer daran wirklich etwas ändern will, ernsthaft und nachhaltig, verzichtet auf tierliche Produkte. Alles andere ist reine Kosmetik und Augenauswischerei, auf dass wir immer und immer wieder von solch grauenhaften Zuständen lesen und hören werden, für ein paar Minuten des Entsetzens, um sich dann wieder um anderes zu kümmern. Schließlich ist das Leben schwer genug.

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