Antibiotikaresistenzen gefährden Menschenleben

„Kümmerts Euch doch um die Menschen, statt um die Viecher“, ist ein immer wieder bemühtes Argument, um sich nicht mit dem Thema Tierrechte auseinandersetzen zu müssen. Dabei sprächen viele Faktoren eine deutliche Sprache für den Zusammenhang zwischen Tier- und Menschenrechtsaktivismus. So werden für die Fütterung der rd. 80.000.000.000 Nutztiere enorme Anbauflächen benötigt, die bevorzugt in Regenwaldgebieten angelegt werden, wofür die entsprechenden Wälder und Menschen weichen müssen, mit all den bekannten Folgen. Außerdem ist es äußerst ineffizient, hochwertige Lebensmittel zunächst durchs Tier zu schleusen, bevor es der Mensch bekommt. Auf diesem Weg gehen rd. 80% der Nährwerte verloren. Bei einer rein pflanzlichen Ernährung, müsste kein Kind auf der Welt mehr an Hunger sterben. Der Konnex ist also nicht so schwer zu finden. Ein weiterer besteht in der Verabreichung von Antibiotika an Tiere, deren Körper gegessen werden und Antibiotikaresistenzen und der Bildung von multiresistenten Keimen.

Das rührt daher, dass rd. 80% der Antibiotika weltweit in der Tierausbeutungsindustrie Anwendung finden. Das ist notwendig, weil die Tiere in den Massenställen sonst nicht einmal die kurze Zeitspanne zwischen Geburt und Schlachtung überleben würden. Das bedeutet, dass die Antibiotika quasi prophylaktisch an alle Tiere gegeben wird. Die Enge, die ständige Berührung mit den eigenen Fäkalien, das schwache Immunsystem, bilden einen idealen Nährboden für jegliche Art von Krankheitskeimen. Kommt es tatsächlich zu der Erkrankung eines Individuums, ist die Chance groß, dass auch alle anderen davon angesteckt werden. Da sprechen wir von tausenden Tieren. Der Profit ginge verloren. Doch was ist das Ergebnis dieser Antibiotikaverabreichung? Das Ergebnis der Erhebungen zivilgesellschaftlicher Organisationen sprechen eine deutliche Sprache:

  • „Ergebnis einer im August 2021 veröffentlichten Stichprobe der Deutschen Umwelthilfe an Putenfleisch der Haltungsstufe 2 (Stallhaltung Plus): ‚Jede dritte Putenfleischprobe von Lidl und jede vierte Probe von Aldi war mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Auf jeder vierten Lidl-Putenfleischprobe (26 Prozent) fand das Labor sogar besonders gesundheitsgefährliche Erreger, die gegen die für Menschen wichtigen Reserve-Antibiotika [CIA HP] resistent sind.‘ (Deutsche Umwelthilfe 2021)
  • Ergebnis einer im Oktober 2020 veröffentlichten Studie von Germanwatch: ‚Mehr als jede zweite Hähnchenfleischprobe (im Durchschnitt 51 Prozent) aus den drei größten Geflügelkonzernen Europas ist mit Resistenzen gegen ein oder sogar gegen mehrere Antibiotika gleichzeitig belastet. Im Schnitt schleppt mehr als jedes dritte Hähnchen (35 Prozent) sogar antibiotikaresistente Krankheitserreger mit Resistenzen gegen Notfall-Antibiotika (Reserveantibiotika) [CIA HP] in die Lebensmittelkette ein.‘ (Germanwatch 2020)“1

Dieses Ergebnis ist äußerst alarmierend. Es bedeutet, dass es durchaus möglich ist, Menschen sterben an einfachen Infektionskrankheiten, die wir bereits zu überwunden hatten, sterben lassen zu müssen. Nun hat die EU, den Empfehlungen der WHO Folge leistend, einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der vorsieht, die Anwendung von Antibiotika in der sog. Nutztierhaltung, vor allem jene der Reserve-Antibiotika, dem letzten Notanker, wenn sonst nichts mehr hilft, zu verbieten. Wohlgemerkt, die flächendeckende Anwendung, die eben die Tierfabriken betrifft. Was würde das bedeuten, würde es Anwendung finden? Es würde der Intensivtierhaltung den Todesstoß versetzen. Darüber hinaus würde der Pharmaindustrie ein Milliardengeschäft durch die Lappen gehen. Es geht dabei um einen Profitentgang in Milliardenhöhe. Deshalb wurde auch sofort gegen diesen Vorstoß der EU mobil gemacht. Natürlich nicht, indem gesagt wurde, wir wollen die Tiere weiter auf dieselbe Art quälen dürfen und wir wollen unsere Profite nicht verlieren, sondern auf eine perfide und verlogene Weise. Die von Tierärzten unterstützte Petition[2] erklärte den Menschen, dass auch ihre geliebten Haustiere von nun an keine Antibiotika mehr bekämen. Es wird bewusst mit Emotionen gespielt, wie aus dem Titelbild, das der Petition entnommen ist, hervorgeht. Alle anderen Aspekte werden nicht einmal erwähnt. Warum dem so ist, das darf sich jede*r selbst überlegen. Es ist allerdings offensichtlich, dass einmal mehr, die Aufrechterhaltung des Status Quo der Tierqual und der Profitmaximierung aufrechterhalten werden soll. Ein erster Schritt, um diesen Spiel mit unser aller Leben, der Menschen, wie der Tiere, ein Ende zu setzen, wäre eine pflanzliche Ernährung. Damit wäre die Eindämmung von Antibiotikaresistenzen und multiresistenten Keimen, sowie neuer Pandemien ohne viel Aufwand gegeben. Wer ernsthaft an Tier- und Menschenschutz interessiert ist, lebt vegan.[3]


[1]1 vgl. Reinhild Benning u.a., Hähnchenfleisch im Test auf Resistenzen gegen Reserveantibiotika, S. 11

[2] vgl. https://www.change.org/p/europ%C3%A4ische-parlament-eu-will-weitreichendes-antibiotikaverbot-f%C3%BCr-tiere-gefahr-f%C3%BCr-unsere-tiere

[3] vgl. https://germanwatch.org/sites/default/files/germanwatch_antibiotika_in_der_tierhaltung_fakten_zur_aktuellen_kontroverse.pdf?fbclid=IwAR2f8PUesVIW8IKIvCBP9qdP8d-vMb5uTtZd1sTZcw_w67jAC5CALsGCJ5E

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