Selbsternannte Tierschützer*innen

Interessant ist, dass mit dem Wort „Tierschützer“ in den meisten Fällen das Attribut „selbsternannt“ verbunden wird. Dass dies abwertend, diskriminierend und respektlos gemeint ist, ist jeder klar, die ein wenig Sprachgefühl hat. Doch was genau ist so abschätzig an dem Attribut „selbsternannt“? Das hänge wohl mit unseren gängigen Vorstellungen von Expertentum zusammen. Nur jemand, der etwas gelernt hat, darf sich fremdernannt nennen. Jede andere gibt sich selbst einen Titel, ohne, dass sie eine Ahnung hat, von dem, was sie tut. Sehr gerne wird dieser Begriff von Landwirt*innen und Jäger*innen oder anderen benutzt, die entweder am Tierleid verdienen oder daran Spaß haben.

Jäger*innen sehen sich als Heger und Pfleger oder stellen sich gerne so dar. Sie sind nicht selbsternannt, weil Jäger*innen für ihr Mordshandwerk einen Jagdschein benötigen, für den sie eine Prüfung ablegen müssen. Aber was lernen sie? Welche Tiere jagdbar sind und wann, welche sie nicht schießen dürfen. Dann müssen sie noch zum Schießstand. Das ist es. Keine Ausbildung in biologischen Zusammenhängen, vielleicht noch ein wenig Wissenswertes über die Tiere, die sie jagen dürfen, damit nicht wieder ein Pony mit einem Wildschwein verwechselt wird. Das nennt sich dann Ausbildung.

Aber zumindest die Bäuer*innen haben eine Ahnung von den Tieren. Ich würde sagen, auch nur peripher. Sie lernen in erster Linie effizientes Stallmanagement und wie man sich bei der Raiffeisen verschuldet, dass man aus diesem Teufelskreis nie mehr aussteigen kann. Sie haben aber zumindest eine facheinschlägige Ausbildung, doch letztlich nur insoweit, wie sich mit den Tieren möglichst viel Geld verdienen lässt, also wie sie die Tortur überleben, zumindest die meisten.

Demgegenüber haben die meisten Tierschützer*innen keine Ausbildung, keine facheinschlägige. Natürlich gibt es auch unter ihnen Biolog*innen, doch die sind dünn gesät. Und Wissen gilt nur, wenn man ein Diplom dafür hat. Autodidakt*innen wissen per se nichts, was eigentlich nur ein anderes Wort für selbsternannt ist. Wenn man sich den Werdegang der meisten Tierschützer*innen ansieht, so gibt es viele Parallelen. Oft beginnt es mit Informationen über die Art der Tierausbeutung, im Stall, im Aquarium, in den Zuchtanstalten, in den Laboratorien, im Wald und wo auch immer. Jeder normaldenkende und -fühlende Mensch merkt sofort, das kann nicht in Ordnung sein, so wie es gehandhabt wird. Dann sieht man genauer hin, informiert sich, hört sich Vorträge an und häuft immer mehr Wissen an, denn das Gefühl allein, dass etwas nicht stimmt und es geändert gehört, ist zu wenig, denn wie sollte es geändert werden und wie kann man den Tieren tatsächlich effizient helfen. Dafür gibt es mittlerweile weltweit Konferenzen, Seminare, auch Einzelvorträge, Literatur und Dokumentationen, die von namhaften Expert*innen gehalten bzw. gemacht werden. Das bedeutet, dass die Tierschützer*innen oft mehr wissen, als die selbsternannten Expert*innen nach einem dreiwöchigen Intensivkurs mit Morderlaubnis. Das wird aber geflissentlich ignoriert und jede nickt wohlgefällig, wenn Tierschützer*innen nach wie vor mit dem Attribut „selbsternannt“ diffamiert werden. Warum wird das gemacht?

Wenn ich jemandem abspreche, dass sie von dem, was sie tut eine Ahnung hat, ihr unterstelle, dass sie kopflos ihren Emotionen folgt, dann mache ich sie unglaubwürdig und deshalb für die Diskussion nicht relevant. Mit einem einzigen Wort wird jede Möglichkeit untersagt, dass dieser Mensch einen wertvollen Beitrag in den Diskurs einbringen kann. Andererseits ist es auch ein gutes Zeichen, denn wenn es notwendig ist, jemanden zu diffamieren, dann sehe ich die Gefahr, dass ich mein schändliches Treiben nicht mehr ohne Weiteres fortsetzen kann. Jäger*innen müssen sich rechtfertigen, wenn sie töten und wie sie töten. Bäuer*innen werden zur Verantwortung gezogen, wenn ihre Tiere so gehalten werden, dass ein Viertel von ihnen noch vor Erreichen des Schlachtalters elendiglich krepiert. Es ist den Tierausnutzern ein Dorn im Auge, dass die Gesellschaft Informationen über ihr Treiben möchte und diese ihr auch zusteht. Einfach die Türen zumachen und dahinter machen was man will, das ging, so lange es keine Tierschützer*innen gab, die auf diese Missstände aufmerksam machten und die ungeschönte Wahrheit ans Licht brachten. Die Diffamierung dient also dazu, von den eigentlichen Vorkommnissen abzulenken und die Menschen, die die Aufdeckungen machen, unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Das Problem ist nur, ganz egal welche Attribute angewendet werden, die Fotos und Filme aus der Vernichtungsindustrie sprechen ihre eigene Sprache – und die ist nicht selbsternannt, sondern schlicht Realität. Als Mensch bin ich empathiefähig – und sehe, wenn ein Lebewesen leidet, zumal wenn es in einer Art und Weise gehalten wird, die seiner Natur fundamental widersprecht. Und das ist jede von uns, die ein Herz und ein Hirn hat und bereit, beides zu nutzen.

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2 Gedanken zu „Selbsternannte Tierschützer*innen

  1. oma99

    Danke, hier ist einmal schön dargestellt wie ‚ausgebildte‘ „Übeltäter“ oder deren Freunde, diejenigen, die sich wirklich im Rahmen ihrer Möglichkeiten kümmern, in Misskredit bringen.
    Natürlich bin ich eine „selbsternannte Tiernothelferin, bzw. Trainerin“, doch haben Menschen jeden Standes von mir lernen wollen und so habe ich meine Stadttauben-Nothilfe-Workshops entwickelt und dafür auch aus meiner humanmedizinischen Vorbildung und von Tierärzten viel gelernt. Leider lesen und hören die Menschen nur „selbsternannt“ und interpretieren negativ – der Göttin sei Dank, nicht alle.

    Gefällt 1 Person

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