Ich fresse also bin ich

Kundgebungen, egal zu welchem Thema, sei es die Fleisch-, Milch-, Eier-, Pelz- oder sonst eine ausbeutende Industrie, haben den großen Vorteil, dass man mit Menschen ins Gespräch kommt. Das ist deshalb wichtig, weil man dann besser einschätzten kann, wie Menschen denken und agieren, die sich nicht aktiv für die Rechte der Tiere engagieren. Darüber hinaus ergibt sich dadurch auch die Möglichkeit, Wissenslücken aufzufüllen, die immer noch bestehen. Ein Klassiker ist nach wie vor, dass viele Menschen nicht wissen, dass eine Kuh ein Kalb bekommen muss, damit sie Milch gibt. Nach wie vor sind 35% der Bürger*innen der sog. zivilisierten Länder überzeugt, eine Milchkuh ist eine Milchkuh, weil sie als solche auf die Welt kommt. Ebenfalls interessant ist es zu erfahren, welche Schlüsse die Menschen aus den neugewonnenen Informationen für sich und ihr Leben ziehen. Es ist kein Geheimnis, dass das Ziel unserer Aufklärungsarbeit darin besteht, dass immer weniger Menschen Tierleid unterstützen, sprich ihren Lebenswandel ändern. Nicht von außen verordnet, sondern als Ergebnis rationaler und vernünftiger Überlegung, die sich aus der Faktenlage ergibt. So weit die Theorie. Wie weit die Praxis davon entfernt ist, möchte ich an nachfolgendem Gespräch illustrieren, das so und nicht anders bei einer Kundgebung zum Thema Leiden der Schweine stattfand.

Es begann damit, dass ich einem etwas untersetzten Herren um die 50 einen Flyer gab. Er nahm ihn brav, taxierte mich dann von oben bis unten und meinte: „Ihr da, ihr seid doch alle Vegetarier?“. Gemeint waren die Menschen, die die Kundgebung abhielten.
„Beinahe richtig“, korrigierte ich ihn vorsichtig, „Wir leben vegan.“
„Aha“, meinte er gedehnt, „Und was ist der Unterschied?“
„Dass wir nicht nur keine toten Tiere zu uns nehmen, sondern auch keine tierlichen Produkte“, erklärte ich.
„Und warum macht ihr das?“, fragte er, wobei er seine Skepsis nicht verbarg.
„Weil wir nicht möchten, dass ein Tier misshandelt, missbraucht, ausgebeutet oder getötet wird, bloß, weil wir das, was sie haben, haben wollen. Dabei ist es so leicht zu leben, ohne jemanden ausnützen zu müssen“, beantwortete ich seine Frage, „Aber verraten Sie mir, warum essen Sie Fleisch, wenn Sie doch sehen wie sehr die Tiere leiden?“
„Weil es schmeckt“, gab er kurz zurück.
„Und wenn ich Ihnen darüber hinaus sage, dass die Regenwälder nach und nach zerstört werden, weil wir die Flächen brauchen, um Futtermittel für die Tiere anzubauen, die Sie essen wollen und damit der Klimawandel vorangetrieben wird, würden Sie dann über Ihren Fleischkonsum nachdenken?“, fuhr ich fort.
„Nein“, kam die unumwundene Antwort.
„Und warum nicht?“, war ich verwundert.
„Weil es so gut ist und ich bin eh schon so alt, was schert mich der Klimawandel. Das erlebe ich eh nicht mehr“, gab er zu.
„Und wenn ich Ihnen sage, dass 800.000.000 Menschen auf der Welt hungern müssen, weil wir das Getreide, den Mais und das Soja, das sie eigentlich satt machen sollte, an die sog. Nutztiere verfüttern, würden Sie, um diese Menschen nicht hungern zu lassen, kein Fleisch essen?“
„Nein“, wiederholte er.„Warum nicht?“, hake ich nach.
„Weil wegen mir, das bringt doch nichts“, erklärte er, ohne zu vergessen hinzuzusetzen, „Und außerdem schmeckt es viel zu gut.“
„Und wenn ich Ihnen weiter sage, dass unser Wasser bald nicht mehr trinkbar ist, weil die Gülle der Tiere es verseucht, die Böden kaputt werden, weil sie überdüngt sind, würden Sie dann darüber nachdenken?“, fragte ich.
„Nachdenken vielleicht schon“, sagte er, „Aber tun, nein, es ist halt so gut.“
„Und wenn ich Ihnen sage, dass es Ihrer Gesundheit zuträglich ist, dass Sie Ihrem Herz-Kreislaufsystem etwas Gutes tun, dafür sorgen, dass Sie nicht so leicht Krebs bekommen oder Diabetes II, könnte das Ihre Entscheidung beeinflussen?“, spielte ich meinen letzten Trumpf aus.
„Nein, es gibt so gute Medikamente, das brauche ich nicht“, erklärte er, „Und wenn es doch so gut schmeckt.“
„Dann darf ich mich verabschieden“, meinte ich, „Aber vielleicht denken Sie trotzdem darüber nach.“ Es ist eben nicht leicht, jemanden mit rationalen Argumenten zum Umdenken bewegen zu wollen, dessen Leitspruch offenbar „Ich fresse also bin ich“ ist.

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