Tiere retten ist nicht genug (2)

Tatjana hatte auf ihrem Weg noch Hundefutter besorgt. „Bis morgen wird es wohl reichen, schätze ich“, dachte Tatjana, als sie dem kleinen Hund beim Fressen zusah. Begierig schlang er alles in sich hinein, um sich dann schwanzwedelnd neben die Schüssel zu setzen, die großen, dunklen Augen hoffnungsfroh auf Tatjana gerichtet. In diesem Moment hörte das Mädchen, wie die Wohnungstüre geöffnet wurde und ihre Mutter den Flur betrat. Noch bevor Tatjana reagieren konnte, war der Welpe losgestürmt, um den Neuankömmling zu begrüßen. „Nichts mit sacht darauf vorbereiten“, dachte Tatjana, während sie all ihren Mut zusammennahm und ihrer Mutter entgegenging. Doch das Bild, das sich Tatjana bot, ließ sie staunen.

Tatjanas Mutter war umgeben von Taschen und Tüten, die sie einfach hatte auf den Boden plumpsen lassen, um beide Hände freizuhaben, den kleinen Kerl zu streicheln. Verdattert sah Tatjana zu, wie ihre Mutter hingebungsvoll seinen Bauch kraulte, während ein breites Lächeln ihr Gesicht strahlen ließ. Da endlich bemerkte sie ihre Tochter.
„Hallo Tatjana!“, begrüßte sie das Mädchen, während sie versuchte streng auszusehen, „Du weißt schon, dass das nicht geht?“
„Was nicht geht?“, fragte Tatjana nach, obwohl sie genau wusste, was gemeint war.
„Ein Hund bei uns“, erwiderte ihre Mutter seufzend.
„Aber wo soll er denn hin?“, meinte Tatjana traurig.
„Überleg mal“, räumte ihre Mutter ein, „Ich bin den ganzen Tag bei der Arbeit und Du in der Schule. Du möchtest doch nicht, dass der kleine Kerl ständig alleine ist? Schau nicht so, wir werden schon eine Lösung finden“, schob ihre Mutter nach, als sie Tatjanas enttäuschten Blick sah, „Lass uns was essen und Du erzählst mir, wie Du zu dem Kleinen gekommen bist.“ Das ließ sich Tatjana nicht zweimal sagen. Ausführlich erzählte sie von den Vorkommnissen des Nachmittags, während ihre Mutter zuhörte, ohne sie auch nur einmal zu unterbrechen. Als Tatjana geendet hatte, legte ihre Mutter gerade ihre Gabel weg.
„Wie herzlos manche Menschen sein können“, sagte ihre Mutter abschließend, „Er hat es sich verdient an einen guten Platz zu kommen und ich habe auch schon eine Idee.“
„Und die wäre?“, fragte Tatjana, die wieder Hoffnung in sich aufsteigen fühlte.
„Du kennst doch diesen kleinen Bauernhof am Waldrand?“, fragte die Mutter.
„Ja klar, wir gehen oft genug dort spazieren“, bestätigte Tatjana, „Nur die Frau, die ihn betreibt, ist ein wenig unheimlich.“
„Das kann sein und ich denke, sie hat auch gute Gründe dafür“, stimmte ihr ihre Mutter zu, „Aber ich habe gehört, dass sie Tiere aufnimmt, die in Not sind. Geh morgen früh hin und frag sie mal.“ Notgedrungen, doch schweren Herzens willigte das Mädchen ein.

Am nächsten Morgen trabte Tatjana mit Balduin, wie sie den kleinen Hund mittlerweile getauft hatte, zu dem Bauernhof. Normalerweise hätte sie nicht länger als zehn Minuten gebraucht, doch Balduin fand alles so wahnsinnig interessant, dass sie kaum vorankamen. Es war eine Wonne ihm zuzusehen, wie er die Umgebung erkundete, an allem schnüffelte und herumsprang, als wäre ihm nie etwas Böses zugestoßen. Endlich kamen sie doch an, traten durch das Haupttor, neben dem die Koppeln eingezäunt waren, auf denen in aller Ruhe Kühe, Pferde, Esel, Schafe und Ziegen weideten, die sich von den Ankömmlingen nicht stören ließen. Das eine oder andere Tiere hob wohl kurz den Kopf, befand die beiden aber nicht für besonders interessant und fuhr mit der Nahrungsaufnahme fort. Tatjanas Herz klopfte bis zum Hals, während sie sich unausweichlich dem Hauptgebäude des Hofes näherten. Balduin schien ihre Unruhe zu spüren, denn auch er verhielt sich merklich ruhiger. Tatjana und Balduin standen bereits vor der Türe, als sie eine barsche Stimme zusammenzucken ließ.
„Was macht ihr denn da? Das ist Privatgrund“, herrschte sie eine großgewachsene Frau in blauer Latzhose an, die unbemerkt aus dem Stall getreten war, der rechts neben dem Gebäude lag, das wohl als Wohnhaus diente.
„Guten Tag“, sagte Tatjana eingeschüchtert, „Ich habe gestern diesen kleinen Hund vor ein paar Burschen gerettet, die ihn steinigen wollten und ich kann ihn nicht behalten und ich hoffte, er würde hier unterkommen.“
„Dachtest Du Dir also?“, sagte die Frau, immer noch barsch, aber nicht mehr so sehr wie am Anfang, „Was meinst Du wie viele ihre Tiere einfach hierherbringen wollen, weil sie genug von ihnen haben, seit sich herumgesprochen hat, dass ich Tiere aufnehme. Warum sollte ich gerade Deinen Kleinen nehmen?“

Hier geht es zu Teil 3.

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