Tiere retten ist nicht genug (3)

Tatjana stand da und wusste nicht, was sie sagen sollte. Am liebsten hätte sie Balduin geschnappt und wäre mit ihm davongelaufen, aber dann warf sie einen Blick auf den Kleinen und war überzeugt, dass trotz aller Ablehnung, die ihr entgegenschlug, hier ein Platz für ihn wäre, an dem er ungezwungen und glücklich leben könnte.
„Weil er sonst nirgends hin kann und wenn ich mir Ihre Tiere ansehe, dann bin ich mir sicher, dass Sie niemanden auf die Straße setzen“, sagte Tatjana und versuchte ihre Stimme so selbstsicher wie möglich klingen zu lassen.
„Und was meinst Du, wer die Kosten übernimmt. Du?“, fragte die Frau weiter.
„Das kann ich nicht, aber ich könnte helfen. Sie brauchen sicher jemanden, der ausmistet oder die Tiere füttert“, meinte Tatjana, nun doch sicherer werdend, denn warum sollte die Besitzerin des Gehöfts weiterfragen, wenn sie nicht zumindest in Erwägung zog, dass sie Balduin aufnähme?

„Du weißt aber schon, dass es schwere Arbeit ist. Bist Du dafür überhaupt geeignet? Wie alt bist Du eigentlich?“, meinte die Frau, während sie Tatjanas dünne, hochaufgeschossene Gestalt von oben bis unten musterte.
„Ich bin 15 und stärker als ich aussehe“, sagte Tatjana mit Überzeugung.
„Gut, ich werde es mit Euch probieren“, erklärte die Frau, „Du kommst regelmäßig zum Helfen und dann habe ich nur noch eine Bedingung.“
„Und die wäre?“, erkundigte sich Tatjana hoffnungsvoll.
„Der kleine Zwerg muss die Aufnahmeprüfung durch meine alte Hündin bestehen“, antwortete die Angesprochene, „Ich bin übrigens Samara. Und wie heißt ihr?“
„Mein Name ist Tatjana und der Kleine da unten sollte auf den Namen Balduin hören“, damit wies sie zwischen ihre Beine, wo sie den Welpen vermutete, bloß war da kein Balduin. Suchend sahen sie sich um. Endlich entdeckten sie ihn. Neben der Haustüre lag ein Hundekorb in der Sonne, in dem besagte alte Hundedame, bei der es sich um eine Berner Sennerhündin handelte, friedlich lag. Dicht an sie gekuschelt sahen sie ein kleines, schwarzes Fellknäuel, das nach all den aufregenden Erlebnissen, friedlich eingeschlafen war.
„Ich denke, er hat die Aufnahmeprüfung bestanden“, erklärte Samara und Tatjana freute sich, weil sie die Frau zum ersten Mal lächeln sah, „Das ist wirklich seltsam. Der Kleine muss etwas ganz Besonderes sein, denn bis jetzt hat meine Lisa keinen anderen Hund wirklich an sich herangelassen. Damit ist es entschieden. Wann kommst Du, um zu helfen?“
„Heute gleich nach der Schule“, sagte Tatjana eifrig, verabschiedete sich und lief, so schnell sie konnte, in besagte Bildungsanstalt. Es war ihr, als wäre ihr noch nie so leicht ums Herz gewesen.

Von diesem Tag an verbrachte Tatjana eine Stunde vor und nach der Schule auf dem Hof, lernte alle Bewohner*innen und ihre Geschichten kennen und freundete sich mit Samara an. Nun begann sie auch zu verstehen, warum Samara so abweisend gewesen war. Viele meinten ihr einfach ihre Tiere vor die Türe setzen zu können, sie würde sich schon kümmern. Damit wuchs ihr Groll gegenüber Menschen, die sich Tiere ins Haus nahmen, ohne sich über die Konsequenzen oder die Anforderungen, die es stellen, im Klaren zu sein. Kam dann die Urlaubszeit wurden die nicht-menschlichen Mitbewohner*innen lästig und man versuchte sich ihrer zu entledigen. Doch bei Tatjana war es etwas anderes. Sie hatte diesen kleinen Burschen vor dem Tode gerettet und sich darüber hinaus auch noch um einen guten Platz gekümmert. Tatjana hinwiederum war glücklich, weil ihr die Arbeit Spaß machte und sie so die Möglichkeit hatte, jeden Tag Zeit mit Balduin zu verbringen. In ihr reifte der Wunsch, dass sie auch einmal einen Bauernhof haben wollte, wenn sie dereinst groß wäre, so wie Samara, um Tiere aus der Not zu retten, so dass sie in Frieden und Ruhe alt werden könnten. Außerdem wollte sie Tierärztin werden, denn es blieb ihr nicht verborgen, wie viel Geld es kostete, wenn der Veterinär sich um die Tiere kümmerte. Nachdem viele alte Tiere auf dem Hof waren, musste er oft kommen. Selbst wenn ein Tier eingeschläfert werden musste, waren Tatjana und Balduin dabei, um Abschied zu nehmen. „Ein glückliches Leben inmitten von anderen und ein ebensolcher Tod. Wie viele konnten das schon behaupten?“, dachte sich Tatjana.

„In zwei Wochen ist Pat*innentag“, klärte Samara Tatjana eines Tages auf, als sie nach getaner Arbeit bei Kakao und Kuchen saßen, „Magst Du mir dabei helfen?“
„Gerne, wenn Du mir verrätst was das ist und was zu tun ist“, meinte Tatjana und wartete gespannt auf die Erklärung.

Hier geht es zu Teil 4.

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