Tiere retten ist nicht genug (4)

„Was ein Pat*innentag? Was ist das denn?“, fragte auch Tatjanas Mutter, als diese ihr freudestrahlend beim gemeinsamen Abendessen von der Neuigkeit erzählte.
„Ein Lebenshof, wie in Samara hat, lebt in erster Linie von Spenden“, erklärte Tatjana, erfreut darüber, ihr neu erworbenes Wissen weitergeben zu können, „Damit die Spender*innen sozusagen einen Mehrwert haben, können sie eine Pat*innenschaft für ein Tier übernehmen. Dann fühlt man sich diesem bestimmten Tier und damit auch dem Hof verbundener und die Betreiber*innen eines solchen Hofes haben regelmäßige Einnahmen. Und an diesem Tag können alle Pat*innen ihre Schützlinge besuchen kommen. Dann gibt es auch ein kleines Buffet und sie können sich davon überzeugen, dass es den Tieren gut geht, dass ihr Geld richtig ankommt.“
„Kann man da auch Kuchen spenden, ich meine fürs Büffet?“, wollte nun Tatjanas Mutter wissen.
„Magst Du Deinen tollen Schokokuchen machen? Das wäre super. Samara freut sich sicher“, meinte Tatjana.

Und so machten sich Tatjana und ihre Mutter an jenem Sonntag auf den Weg zum Hof. Tatjanas Mutter brachte nicht nur den Kuchen, sondern half auch bei den restlichen Vorbereitungen.
„Toll ist es geworden“, meinte Samara erfreut, „Und wir sind keine Minute zu früh fertig geworden.“ Denn im selben Moment, in dem sie den letzten Teller platziert hatten, kamen die ersten Gäste an. Rund 40 Menschen besuchten an diesem Tag den Hof, erkundigten sich nach ihren Tieren und genossen das Buffet. Viele waren geneigt noch zusätzlich etwas in die dafür vorgesehene Spendenbox zu werfen. Selbst das Wetter spielte mit, denn die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel, so dass es wirklich nichts gab, was die gute Stimmung hätte trüben können. Innerlich gratulierten sich die Veranstalterinnen bereits zu diesem tollen Tag, als ein Mann die Stimme erhob.
„Das alles, was ich da esse, ist also vegan?“, herrschte er Samara an.
„Natürlich“, gab diese ruhig zurück, „Wir können nicht gleichzeitig Tiere schützen, sie vor dem Schlachter retten, um dann andere für uns schlachten zu lassen. Das passt nicht zusammen.“
„Doch, das passt, denn es ist das eine, das da leben darf und das ich meinem Sohn zeigen kann“, erwiderte der Mann immer noch erbost, „Aber alle anderen sind egal. Die sind schließlich dafür da.“
„Nein, sie sind für sich selber da, wie jedes Lebewesen für sich selbst da ist“, blieb Samara konsequent bei ihrem Standpunkt, ohne laut werden zu müssen, „Sie haben ja die Patenschaft für unseren Ferdinand übernommen, einem Eber, der aus der Mast kam. Würden Sie den essen?“
„Nein, natürlich nicht“, sagte der Mann.
„Aber wo ist der Unterschied zwischen Ferdinand und einem anderen Schwein?“, fuhr Samara unbeirrt fort.
„Dass wir das Schwein kennen. Aber die anderen kennen wir nicht“, meinte der Mann, die Lautstärke schon ein wenig zügelnd.
„Du Papa“, zupfte ihn plötzlich sein Sohn am Pullover, der die ganze Unterhaltung mitangehört hatte, „Wir essen was von Schweinen? Ich will nicht, dass ein Schwein sterben muss, damit ich es essen kann. Ich will, dass sie leben.“
„Sehen Sie, was Sie angerichtet haben? Jetzt muss ich schauen, dass der Junge wieder normal wird und nicht etwa auf die Idee kommt, kein Fleisch mehr zu essen. Auf meinen Spendenbeitrag werden Sie ab nun verzichten müssen. Sie setzen ja den Kindern Flausen in den Kopf“, erklärte er pikiert, um sich dann an seinen Sohn zu wenden, „Emanuel, komm wir gehen. Bei den Freaks bleiben wir keine Minute länger.“ Damit packte er besagten Emanuel am Arm und zog ihn mit sich mit zum Auto. Der Kleine wehrte sich mit Händen und Füßen. Tatjana, die die ganze Szene beobachtet hatte, ließ die Frage nicht los, die sie gerade gehört hatte: Warum streicheln wir das eine Schwein und essen das andere? Warum essen wir überhaupt Schweine und keine Hunde oder Katzen? Und plötzlich merkte sie, wie eingeschränkt ihr Weltbild bis jetzt gewesen war. Ja, wir erfreuen uns an den Tieren, an Hunden und Katzen ebenso wie an Schweinen und Hühnern, aber trotzdem töten wir sie, um sie zu essen. Von einen auf den anderen Moment geriet ihr bisheriges, so wohlgeordnetes, Weltbild ins Wanken. Es war so unsinnig. Der Ferdinand, ein junger Eber, dem sie schon so oft den Bauch gekrault hatte und dann die anderen, die sie nicht kannte. Aber sie wollten auch leben, liebten es wohl ebenso im Stroh und in der Erde zu wühlen und herumzulaufen. Aber wo waren all die Schweine, die wir aßen? Außerhalb des Hofes hatte Tatjana noch nie welche gesehen. An diesem Abend fasste sie zwei Entschlüsse, nichts mehr von Tieren zu essen und sich über die Lebensbedingungen der Tiere, die sie bis jetzt gegessen hatte, zu informieren.

Hier geht es zu Teil 5.

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