Tiere retten ist nicht genug (5)

Was Tatjana sich vorgenommen hatte, setzte sie auch in die Tat um. Es war so leicht, viel leichter als sie dachte, sich ohne tierliche Produkte zu ernähren. Vor allem die vegane Community unterstützte sie sehr. In erster Linie, wenn sie sich mit Nicht-Veganer*innen auseinandersetzte, denn das war eine der merkwürdigsten Erfahrungen, die sich machen musste. Sobald jemand erfuhr, dass sie sich tierleidfrei ernährte, wurde sie verhöhnt, im besten Fall, zumeist aber beschimpft und heruntergemacht. Sie verstand die Welt nicht mehr. Sie versuchte, so weit es ihr möglich war, Tierleid zu vermeiden und damit letztlich auch Menschenleid, und dafür wurde sie angefeindet? Sie tat ja niemandem was zuleide, ganz im Gegenteil?

Mit dieser Erfahrung stand sie allerdings alles andere als alleine da. Die Ablehnung war allgegenwärtig. Erklärt wurde Tatjana das mit der Theorie der „Kognitiven Dissonanz“, was so viel bedeutet, als dass zwischen dem, was man weiß, was gut wäre und dem, was man tatsächlich tut, eine Kluft ist. D.h. konkret niemand will, dass Tiere leiden, aber die meisten wollen sie trotzdem essen. Nun machen Veganer*innen genau das, was sie selbst nicht schaffen bzw. nicht wagen, weil ihr soziales Umfeld abfällig reagieren würde. Die Wut darüber lenken sie auf die Veganer*innen um. Das machte vieles verständlicher für Tatjana. Nicht sie als Person war das Ziel der Angriffe und Untergriffigkeiten, sondern das, wofür sie stand. Sie war quasi der Stachel im Fleisch, das personifizierte schlechte Gewissen derer, die zwar wüssten was gut wäre für die Tiere, die Umwelt und die eigene Gesundheit, es aber trotzdem nicht fertigbrachten, ihre Gewohnheiten entsprechend zu ändern. Vor allem tat es gut, zu wissen, dass sie damit nicht alleine war. Sie erhielt so viel Unterstützung und Zuspruch.

Der nächste Schritt, nachdem sie sich zahlreiche Dokus angesehen hatte, war so logisch, wie der erste. Sie schloss sich einer Tierrechtsorganisation an und versuchte ihr neu erworbenes Wissen an die Menschen weiterzuvermitteln. Bewusstseinsarbeit nennt man das.

Tatjana hatte einen Hund gerettet. Es war wunderbar, das zu wissen. Es war mutig gewesen. Nun lebte dieser Hund in Sicherheit und Behaglichkeit. Doch was war mit all den anderen Hunden, die nach wie vor gequält und misshandelt wurden? Deshalb war es wichtig, nicht an diesem Punkt stehenzubleiben, sondern Tierquälerei zu ächten und gesetzliche Mindeststandards zu erreichen.

Tatjana hatte Ferdinand, den Eber, versorgt und gekrault, hatte seinen Stall ausgemistet und ihm zugesehen, wie sehr er sich seines Lebens freute. Es war gut, dass er diesen Platz gefunden hatte und nun bis an das Ende seines natürlichen Lebens bleiben durfte. Doch an seine Stelle trat ein anderer Eber, der nun in der Ausbeutungsmaschinerie gefangen war. Deshalb war es wichtig, das System zu durchbrechen, die Ausbeutung zu beenden.

Für jedes Tier, das gerettet wird, so war Tatjanas Fazit, trat ein anderes, das dieses Leiden auf sich nehmen musste. Dies würde sich anders werden, wenn sich die gesellschaftlichen und moralischen Rahmenbedingungen ändern würden. Doch dafür musste man sich einsetzen, den Menschen ins Bewusstsein bringen, wie viel Leid und Elend hinter verschlossenen Türen versteckt war. Es galt, dieses ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen, um ein Umdenken zu ermöglichen. Deshalb war es wunderbar, dass es solche Orte gab, an denen gerettete Individuen Heimat und Zuflucht fanden, aber es war nicht genug. Erst, wenn alle Tiere, menschliche, wie nicht-menschliche, in Frieden und Ruhe leben konnten, war das Ziel erreicht, der Weg zu Ende, der bei Tatjana damit begonnen hatte, als sie einen Welpen davor bewahrte, gesteinigt zu werden. Nun stand sie auf der Straße und wurde nicht müde auf das Leid der Tiere in der sog. Nutztierindustrie aufmerksam zu machen. Und sie würde so lange bleiben, bis alle Tiere, menschliche wie nicht-menschliche, frei und sicher waren, da niemand mehr das Recht haben würde, Macht über sie auszuüben und allein der Gedanke absurd erscheinen würde, dass man Lebewesen besitzen könne. Wenn sie müde und ausgelaugt war, dann holte sie sich neue Kraft auf Samaras Lebenshof.

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