Der Pandabär, der hat es schwer (1)

Lautlos schlich die Spezialagentin in ihrem Supertarngewand durchs Dickicht. Sie hatte eine brisante, strenggeheime Mission zu erfüllen. Diese lautete, den Pandabären zu finden, zu schnappen und zu isolieren. Schließlich stand er unter dem Verdacht, die Ursache für eine der schwersten Epidemien der Neuzeit zu sein. „Dagegen war das Corona-Virus eine Lappalie“, hatte man der Agentin eingeschärft, deren Name nicht aus Datenschutz-, sondern aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden darf. Deshalb robbte sie nun durchs Unterholz, jede Tarnung nutzend, denn schließlich war so ein Pandabär ein ziemlich verschrecktes Wesen. Ab und an lag sie einfach still und lauschte hinein in die sattgrüne Umgebung. Sie hatte bisher nicht nur eine, sondern sogar mehrere Spuren gefunden, die zu ihrem Pandabären passen konnten, doch ihn selbst hatte sie noch nicht zu Gesicht bekommen.

„Was für ein wunderschöner Wald“, schoss es ihr durch den Kopf. Es war zwar drückend heiß, aber hier, zwischen all den Bäumen, ließ es sich aushalten. „Warum nur die Menschen unbedingt in Städten leben müssen, wo es doch so schön hier heraußen ist und man eigentlich nichts braucht, als eine Höhle, um sich vor dem Regen zu schützen“, fragte sie sich unwillkürlich. Natürlich wusste sie, warum dem so war. Schließlich brauchten die Menschen Häuser oder zumindest Wohnungen, denn so im Freien, das ist nichts, auch wenn es das Klima eigentlich erlauben würde. Doch sie brauchten diese Unterkünfte nicht nur, um darin zu wohnen, zu schlafen, zu duschen, zu essen und was Menschen sonst noch so machen in ihren Behausungen, sondern ebenso, um ihre Besitztümer an einem Ort verwahren zu können, an dem sie vor fremdem Zugriff sicher wären. Das geht in einer Höhle natürlich nicht und jede, die vorbeikommt, braucht einfach zuzugreifen. Um sich diesen Wohnraum leisten zu können, egal ob er gekauft oder gemietet wurde, mussten die Menschen Geld haben. Geld bekamen aber die meisten Exemplare unserer Spezies durch Arbeit, genauerhin, außerhäusliche Erwerbsarbeit. Natürlich gab es auch noch solche, die Gemüse und Obst anbauten, um es am Markt zu verkaufen, aber das waren die Wenigsten. Schließlich gab es riesige Plantagen. Dafür wurde immer mehr Wald gerodet, selbst dort, wo der Anbau eigentlich nicht möglich war.

„Da wird mit Pestiziden und genmanipuliertem Saatgut nachgeholfen“, ergänzte die Agentin in Gedanken, „Diese Pestizide kommen in die Erde, in die Tiere, ins Trinkwasser und verseuchen unsere Umwelt. Und ob die Genmanipulationen zu der Verbreitung von Viren beitragen?“ Diese Frage konnte sie sich nicht beantworten, schließlich war sie Agentin und keine Biologin. „Außerdem, was soll das jetzt eigentlich“, rief sie sich selbst zur Ordnung, „Du hast hier keine Fragen zu stellen, sondern einen Auftrag zu erfüllen. Dafür wirst Du bezahlt. Über alles andere sollen sich die Gedanken machen, die eine Ahnung davon haben. Die handeln sicher zum Besten der Menschheit. Deshalb musst Du auch diesen bösen Pandabären aufstöbern, um alle zu retten.“ Sie sah sich schon als Heldin. Blöd nur, dass nie jemand von ihrem Heldinnendasein erfahren würde. Auch von dem Pandabären durfte nichts verlautbart werden oder besser, von der Virusmutation, die er vermutlich in sich trug. Die Menschen könnten in Panik geraten, wenn sie davon wüssten und wie die Besessenen Klopapier kaufen. Obwohl, das war bei Corona gewesen. Auf was für eine sinnvolle Sache sich wohl diesmal das allgemeine Augenmerk richten würde? Vielleicht Alufolie, damit man sich noch mehr Hüte basteln konnte.

Ein Geräusch ließ die Spezialagentin mit all ihren Spezialagentinnenkenntnissen hochschrecken. Irritiert sah sie sich nach allen Seiten um, bloß nach oben sah sie nicht. Direkt über ihr saß der Pandabär gemütlich in einer Astgabel und mampfte Bambus, wie es Pandabären tun. Interessiert beobachtete er die Menschenfrau. Er war schon früher Menschen begegnet, die ihn samt und sonders in Ruhe gelassen hatten. Deshalb sah er auch keine Veranlassung sich zu fürchten. Als die Agentin nun weiterrobbte, was er für eine seltsame Art der Fortbewegung hielt, kletterte er von seinem Baum herunter und ging ihr hinterher, denn er wollte unbedingt wissen, was sie noch so tat.

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