Veganer*innen nerven

„Was für ein wunderschöner Tag“, dachte ich, als ich das Büro verließ, um mein Lieblingsrestaurant aufzusuchen. Ausnahmsweise hatte ich Zeit dazu, und das an einem Arbeitstag. Die Sonne schien und ich war guter Dinge. Dementsprechend beschwingt betrat ich das Lokal, um es auch sofort wieder zu verlassen, denn die Sonne schien so warm und einladend, dass ich es mir im Gastgarten gemütlich machte. Ich wählte einen Tisch in der Ecke, um alles andere gut im Blick zu haben. Außer meinem waren noch drei Tische besetzt. Jeweils zwei Personen saßen sich gegenüber. Da kam auch schon die Kellnerin mit der Speisekarte.

Mein Lieblingsrestaurant ist kein rein veganes, denn so etwas gibt es in unserer kleinen Stadt überhaupt nicht, aber es bietet zumindest einige, sehr leckere vegane Optionen an. Außerdem ist das Ambiente angenehm, die Kellnerinnen freundlich und die Preise in Ordnung. Deshalb fühlte ich mich auch immer wohl. Nach einigen inneren Diskussionen entschied ich mich für ein Gericht.
„Ich hätte gerne das vegane Curry, bitte nicht scharf“, sagte ich der Kellnerin, lehnte mich in Vorfreude auf den kommenden Genuss zurück, ließ mir die Sonne ins Gesicht scheinen und genoss das Leben. Nichts weiter. Natürlich ließ ich auch meinen Blick über die anderen Gäste schweifen. Das Pärchen, das mir genau gegenübersaß, hatte gerade sein Essen bekommen. Offensichtlich aß sie einen Salat mit Hühnerstreifen und er ein Steak. Ich nahm es zur Kenntnis.
„Ihr Veganer geht mir mächtig auf den Sack“, fuhr mich der Herr von gegenüber plötzlich an. Schuldbewusst sah ich automatisch an mir herunter, doch ich hatte kein T-Shirt mit irgendeinem Spruch an, der auf Veganismus oder Tierrechte hinweisen hätte können, denn ich war schließlich im Geschäftsmodus. Deshalb sah ich ihn blinzelnd an.
„Ja, genau Dich meine ich, immer versucht ihr uns eure Lebensweise aufs Aug zu drücken, labert lauter Müll daher, um uns zu bekehren und uns das Essen madig zu machen“, herrschte er mich weiter an.
„Bitte, beruhig Dich“, versuchte sein Gegenüber ihn zu beschwichtigen.
„Ich soll mich beruhigen? Ich soll mich beruhigen?“, fuhr er daraufhin sie an, „Sie soll damit aufhören, unschuldige Leute beim Essen zu stören. Soll sie doch machen was sie will, aber mich damit in Ruhe lassen.“
„Aber sie hat doch gar nichts gesagt“, mischte sich nun ein Herr von einem anderen Tisch ein.
„Nein, gesagt hat sie nichts, aber Du hast wohl nicht gesehen, wie sie als erst mich, dann mein Steak und dann wieder mich gemustert hat. Das sagt doch alles. Ich kenne sie. Ich kenne sie alle, und die da – und damit wies er auf mich – ist sicher eine der Schlimmsten“, redete sich erster Herr immer mehr in Rage, „Und außerdem, so auffällig wie sie ihr Essen bestellt hat. Damit auch ja jeder weiß, dass sie das   v e g a n e   Chili isst.“
„Kann es vielleicht sein, dass sie hier einfach essen möchte, genauso wie wir alle und das in aller Ruhe, ohne von irgendwelchen Halbstarken, die sich aus irgendwelchen Gründen in ihrer Ehre gekränkt fühlen, belästigt zu werden. Und Sie belästigen uns alle mit Ihrer Schreierei“, erwiderte jener Herr, der sich offenbar für mich in die Bresche geschlagen hatte.
„Vielleicht können wir uns jetzt einmal alle beruhigen“, mischte sich erstmals die Begleiterin meines Fürsprechers ein, woraufhin sie sich an mich wandte und mit tadelndem Blick meinte: „Und vielleicht wäre es Ihnen möglich nicht so aufdringlich vegan zu sein. Dann müsste sich niemand angegriffen fühlen. Ich weiß schon, dass ihr Veganer gerne missioniert, aber es gibt Momente, da sollte man es einfach gut sein lassen.“

Abgesehen davon, dass ich bis dahin kein Wort gesagt hatte, wirklich nichts weiter wollte, als mein Essen zu genießen, musste ich nun überlegen, wie ich aus dieser Nummer am besten herauskäme, als mein Curry endlich serviert wurde. Wortlos widmete ich mich nun meinem Essen, in der Hoffnung, dass damit endlich alles erledigt sei, doch ich irrte mich.
„Schau Dir das an, sie fühlt sich uns so überlegen, dass sie uns keines Blickes mehr würdigt, als wären wir Untermenschen“, polterte nun Ersterer wieder los. Damit hatte ich endgültig genug. Ich nahm meinen Teller und ging in das Innere des Lokals, in dem ich mich alleine fand. Hier konnte ich tatsächlich mein Essen in Ruhe beenden, ohne irgendjemanden zu nerven.

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