Unverhofft vegan (1)

Detlev fühlte sich beschwingt und lebensfroh, als er an diesem Morgen um 6.00 Uhr zu seiner üblichen Laufrunde startete. Um die Zeit war es noch sehr ruhig in dem kleinen Wäldchen, das nahe seiner Wohnung lag. Es tat gut, für sich allein und dennoch draußen zu sein. Doch es war nicht die Morgenfrische alleine, die ihn in eine solche Hochstimmung versetzte, sondern er hoffte das Mädchen mit den roten Kringellocken und dem großen braunen Hund wiederzusehen, die auch regelmäßig hier liefen. Montags, mittwochs und freitags, wie er festgestellt hatte. Und tatsächlich kamen sie, nachdem er die erste Biegung genommen hatte und die einzige etwas längere Gerade vor sich sah, in sein Blickfeld. Zügig, aber ohne Hast bewältigten die beiden, einträchtig nebeneinander, die Strecke, wobei der Hund mit seinen langen Beinen gerade mal einen leichten Trab benötigte, um mit seinem Frauchen Schritt zu halten.

Detlev hätte sie schon längst angesprochen, wenn da nicht seine Angst vor Hunden gewesen wäre und dieses Exemplar war ein relativ großes. Natürlich es gab größere, vor allem aber furchteinflößendere, denn dieser war zwar muskulös, aber nicht bullig. Da fasste er sich trotzdem ein Herz und legte ein wenig zu, um das Paar einzuholen. Als er auf derselben Höhe war, sprach er sie an.
„Hallo!“, sagte er.
„Hallo!“, erwiderte das Mädchen, und schenkte ihm ein Lächeln, das echt und offen wirkte, so dass er es wagte sie mit ihrem Anliegen zu behelligen.
„Du hast da einen schönen, ruhigen Hund“, meinte er, „Ich habe Angst vor Hunden. Meinst Du, ich könnte ihn für eine Konfrontationstherapie nutzen.“ Abrupt blieb sie stehen und sah ihn an.
„Meinst Du das ernst?“, fragte sie, „Du kennst meinen Hund doch gar nicht. Vielleicht ist er gar nicht geeignet.“
„Deshalb frage ich Dich, Du kennst Deinen Hund“, ließ sich Detlev nicht von seinem Vorhaben abbringen.
„Das stimmt allerdings“, erwiderte sie, „Nun gut, schauen wir mal, was er dazu sagt.“ Damit wandte sie sich dem Hund zu, der sich in der Zwischenzeit hingesetzt hatte und eher desinteressiert wirkte. „Was meinst Du Bakari, magst Du diesen Menschen hier kennenlernen?“ Als sein Name genannt wurde, sah er seinem Frauchen in die grünen Augen und folgte dann ihrem Finger, der auf Detlev wies. Kurz musterte er den anderen Menschen, bevor er langsam aufstand und auf ihn zuging, um ihn kurz zu beschnüffeln. Dann setzte er sich zu seinen Füßen wieder nieder.
„Was bedeutet das jetzt?“, fragte er, so leise, dass er kaum zu verstehen war.
„Jetzt kannst Du ihn streicheln, wenn Du möchtest“, erwiderte die Besitzerin.
„Und wie?“, zeigte er sich verunsichert. Statt einer Antwort, ging die Frau in die Hocke und strich sanft über die Flanke des Hundes. „So“, meinte sie bloß. Detlev tat es ihr gleich. Wiewohl er überzeugt davon war, dass der Hund, den sie Bakari genannt hatte, spürte, wie unsicher er war, blieb er ruhig und gelassen sitzen und ließ Detlevs erste, zaghafte Streicheleien über sich hinweggehen.
„Du machst das schon sehr gut“, ermunterte ihn die Besitzerin und lächelte ihn an, „Allerdings ist er auch fabelhaft dazu geeignet. Er ist die Ruhe selbst.“
„Ja, das merke ich“, meinte Detlev, „Ich bin übrigens Detlev. Danke für Deine Hilfestellung.“
„Ich heiße Sabrina“, entgegnete sie, „Und das ist Bakari, aber das weißt Du ja bereits.“
„Darf ich Dich was fragen?“, erwiderte Detlev zögerlich.
„Klar, immer raus mit Deiner Frage“, forderte Sabrina ihn auf.
„Was ist mit seinem Fell los, ich meine, der Streifen auf seinem Rücken, da wachsen doch die Haare verkehrt“, zeigte er sich erstaunt.
„Das stimmt, es ist ein Merkmal, das dieser Rasse angezüchtet wurde und ihr auch den Namen bescherte, Rhodesian Ridgeback“, erklärte Sabrina.
„Interessant“, meinte Detlev, „Ich freue mich Dich kennenzulernen“, fügte er, an Bakari gewandt, hinzu, wobei er sich plötzlich bewusst wurde, dass er tatsächlich mit einem Hund sprach. Er hätte nie gedacht, dass das möglich wäre.
„Hast Du schlechte Erfahrungen mit Hunden gemacht oder woher kommt Deine Angst?“, riss Sabrina Detlev aus seinen Gedanken.
„Ich wurde einmal als Kind gebissen“, meinte er lapidar, „Mir kam der Hund damals riesig groß vor, dabei war er wohl nicht halb so groß wie Deiner, aber ich war damals ein Kind und ich glaube, er hat mich auch eher gezwickt als gebissen, aber die Angst war damit da.“
„Und wie geht es Dir jetzt?“, fragte Sabrina.
„Sehr gut“, meinte Detlev, „Aber er scheint auch ein besonderer Hund zu sein. Also ich werde jetzt nicht unvoreingenommen auf jeden Hund zugehen, aber ich laufe auch nicht mehr davon.“
„Das freut mich sehr“, erwiderte sie und schenkte ihm wieder ihr sanftes Lächeln, „Apropos laufen, was meinst Du, wollen wir gemeinsam laufen?“
Und das taten sie dann auch, an diesem Morgen und an vielen weiteren, jeweils montags, mittwochs und freitags.

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