Unverhofft vegan (3)

Sabrina sah ihn lange an, bevor sie erwiderte: „Isst Du Fleisch?“
„Ja, aber nur ganz wenig und …“, versuchte Detlev ihr zu versichern.
„Ich habe nicht gefragt, wie viel oder wenig oder sonst etwas, sondern nur, ob Du es tust“, schnitt sie ihm das Wort ab, „Hast Du es mir erzählt? Ich meine, dass Du Dich so ernährst?“
„Nein, aber das ist doch normal. Die meisten Menschen essen Fleisch“, meinte er ausweichend, „Das muss man nicht erzählen. Das setzt man voraus. Aber wenn wer vegan ist, dann muss man das sagen.“
„Meinst Du so, wie man gleich von Anfang an sagen muss, dass man homosexuell ist, weil es normal ist heterosexuell zu sein?“, fragte sie weiter.
„Nun ja, wahrscheinlich, weil da macht sich wer Hoffnungen und denkt, die ist genauso normal wie ich und dann kommt das große Erwachen“, sagte er, eher unreflektiert, um dann erschrocken hinzuzusetzen, „Willst Du vielleicht auch noch sagen, dass Du lesbisch bist?“

„Nein, das sage ich nicht“, erklärte Sabrina, noch amüsiert, denn sie sah, wie sehr Detlev in den Narrativen verstrickt war, mit denen er aufgewachsen war. Sie konnte ihm keinen Vorwurf machen, denn offensichtlich hatte er sich weder mit dem einen noch mit dem anderen Thema auseinandergesetzt, „Aber es ist spannend, was als normal angesehen wird. Offenbar gilt ganz einfach, was die meisten Menschen machen, bildet die Norm, ist also normal. Aber das heißt noch lange nicht, dass es nicht auch andere Möglichkeiten gibt, die einem – wenn man so sozialisiert wurde wie wir – vorenthalten werden und von vornherein als abnormal abgestempelt werden.“
„Du willst jetzt aber nicht sagen, dass es normal ist, auf alles zu verzichten, was vom Tier kommt“, meinte er verblüfft.
„Ich denke, die Kategorien normal und abnormal können wir vorerst einmal weglassen, weil sie uns nicht weiterbringen“, sagte Sabrina, „Vielleicht sollte man eher danach fragen, warum jemand tierliche Produkte nicht konsumiert, egal in welcher Form.“
„Nun, das ist ja wohl klar“, trumpfte nun Detlev auf, „Es geht darum, Tiere nicht zu nutzen. Also zumindest sagen das die Veganer, die es aus ethischen Gründen sind.“
„Du scheinst Dich also doch schon schlau gemacht zu haben“, meinte Sabrina erfreut, „Aber ich mache Dir einen Vorschlag, wir lassen das Thema heute sein und Du siehst Dir, wenn Du Lust hast, Dominion oder Earthlings an. Dann gehen wir essen und ich bin gespannt, was Du dann wählen wirst.“ Detlev war mit dem Vorschlag einverstanden und bereits wenige Tage später, meinte er, als sie sich wieder zu ihrer gemeinsamen Laufrunde trafen, dass er nun ihre Einladung annehmen wollte, denn er hatte sich nicht nur einen, sondern beide Filme angesehen und wusste nun, er wollte vegan werden.


„Seltsam, das hätte ich mir bei mir nie vorstellen können“, meinte Detlev nachdenklich.
„Das sagen eigentlich fast alle“, erklärte Sabrina lächelnd, die sich sehr zusammenreißen musste, um ihm nicht vor Freude um den Hals zu fallen, aber sie schien sich tatsächlich nicht in ihm geirrt zu haben, denn seit er das erste Mal auf Bakari zugegangen war, mit so viel Achtsamkeit und Respekt, war sie sicher, dass er zugänglich war für die vegane Botschaft.
„Aber es ist nicht einfach“, sagte er endlich, „Ich stehe nun da und das einzige, was ich weiß ist, dass ich das durchziehen will, aber keine Ahnung habe wie.“
„Ganz einfach, Du gehst auf die Seite vegan.at und meldest Dich bei ‚Dein veganer Monat‘ an und dann bekommst Du einen Monat lang Rezepte, praktische Tipps und Tricks zugeschickt. Du wirst sehen, es ist ganz einfach, wenn Du es möchtest“, erklärte Sabrina, „Und natürlich stehe ich Dir auch zur Verfügung. Also gehen wir heute abend essen?“
„Klar, aber nur in ein veganes Restaurant“, erklärte Detlev im Brustton der Überzeugung, auch wenn er sich doch noch ein bisschen unsicher fühlte, aber dann sah er Sabrinas Lächeln und war sich sicher, dass er das schaffen würde. Doch zuvor musste er noch seine Mutter anrufen. Sie hatte ihn am Sonntag zum Essen eingeladen und er musste ihr noch beichten, dass er nun gedenke vegan zu leben. Er wollte nicht gleich am Anfang eine Ausnahme machen. Er war sehr nervös, denn er hatte keine Ahnung, wie seine Mutter reagieren würde, doch kaum hatte er es ausgesprochen, zeigte sich seine Mutter sehr erfreut. „Ich bin so froh, dass Du das sagst, denn jetzt kann ich es Deinem Vater gegenüber rechtfertigen, dass ich das neue tolle vegane Rezept ausprobiere“, meinte sie. Das war doch viel einfacher gewesen als gedacht. Nun konnte einem gelungenen Abend mit Sabrina nichts mehr im Weg stehen. Wie froh war er doch, ihr begegnet zu sein.

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