„Mein Hund liebt mich“ – Tatsächlich?

„Mein Hund liebt mich“, wahlweise auch jedes andere sog. Haustier, „Treu und anhänglich und unverbrüchlich“ heißt es. Aber ist es dem tatsächlich so?

Meine Hunde liegen bei mir. Sie sind da. Sie sind immer da. Ich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen. Hat es ein Leben ohne sie gegeben? Natürlich hat es das, aber was weiß ich schon noch davon. Es kommt mir so vor, als wäre es niemals anders gewesen, weil ihr Da-Sein mein Leben bereichert. Wortlos, aber immer zugewandt. Ich habe die Verantwortung übernommen, als ich sie in mein Haus und mein Leben holte. Es war nicht ihre Entscheidung. Sie hatten nichts zu entscheiden, sondern mussten es geschehen lassen.

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Die wahren Corona-Opfer

Corinna war der wunderbarste Hund, den man sich vorstellen kann. Sie war vier Monate alt, als sie zur Familie Maier, bestehend aus Vater, Mutter und zwei Kindern, kam. „Wir schaffen uns jetzt einen Hund an“, hatte der Vater gesagt, als er wegen Corona in Kurzarbeit geschickt wurde, „Dann haben wir einen Grund hinauszugehen und es ist nicht so fad.“ Die Kinder waren begeistert, denn sie hatten schließlich auch Heimschule und der Hund wäre doch ein toller Ausgleich für die fehlenden Kontakte zu ihren Freund*innen. Bloß die Mutter legte ein schwaches Veto ein. „Irgendwann wird dieses komische Corona wieder vorbei sein und Du wirst wieder in die Firma gehen und ihr zur Schule. Am Nachmittag werdet ihr Euch mit Euren Freund*innen treffen wollen. Dann wollt ihr sicher auch wieder in Urlaub fahren und was wird dann mit dem Hund“, meinte sie, doch bis dahin würde noch viel Zeit vergehen, das würde sich schon alles finden, meinte der Rest der Familie. So kam Corinna ins Haus.

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Bis zum Schluss

Du liegst auf Deinem Lieblingsplatz in der Sonne. Du magst die Wärme. Ich sitze bei Dir und streichle Dich. Dein Atem geht gleichmäßig, aber man kann es hören, dass Du nicht ungehindert atmen kannst. Wenn Du ruhig liegst, ist alles gut. Du hast die Augen geschlossen und ich streichle Dich, spüre die Wärme Deines Körpers und die Ruhe, die von Dir ausgeht. Streicheln ist gut für den Kreislauf, habe ich gelesen. Kann sein. Ein positiver Nebeneffekt, denn vor allem verbindet es. Wir sind einfach da. Früher, als Du noch jünger warst, kamst Du und hast es eingefordert, das Streicheln. Jetzt bist Du alt, liegst mehr als früher und wenn ich zu Dir komme, Dich zu streicheln, ist es gut. Die Haare sind weiß geworden und alles geht ein wenig gemächlicher von statten, als früher. Dabei kommt es mir vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass Du als kleiner, quirliger Welpe zu uns kamst.

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Haus-, Nutz- oder Gebrauchstier?

„Sie haben also Ihren Hund nur zum Spaß!“, sagte der Herr, preußisch gebieterisch, dessen Leidenschaft leicht erkennbar gewesen wäre, aber es war meine erste wirkliche Begegnung mit einem Vertreter dieser Zunft, deshalb gab ich naiv zurück,

„Jawohl, und Sie nicht.“

„Nein, Hunde sind zum Gebrauch da und nicht, um die Menschen zu bespaßen“, erwiderte er und stapfte weiter. Leicht zu erkennen, an seinem grünen Loden, in das er gewandet war, den Hut mit dem Gamsbart auf dem Kopf. Seine Hündin war so alt wie mein Rüde, gerade mal ein halbes Jahr und es wäre so schön gewesen, sie über die Felder toben zu sehen, aber das durfte sie nicht, schließlich war sie ein Gebrauchshund, ein Hund zum Gebrauch.

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