Alleingelassen

Timo rollte sich ganz fest zusammen, in der hintersten Ecke des Verschlages, in den man ihn gesperrt hatte. Die ersten Schneeflocken wogten sanft herab und er fror entsetzlich. Doch viel schlimmer als die Kälte war die Einsamkeit, die schreckliche Angst, nie wieder zu seiner Mama zu kommen. Dabei war er doch erst ganz kurz auf der Welt. Sollte er sich da nicht zu seiner Mama kuscheln, bei ihr trinken? Ein bisschen mehr rollte er sich ein. So weit es eben ging. Gut, sein Verschlag war dick mit Stroh ausgepolstert, aber die Kälte blieb trotzdem und gegen die Einsamkeit half auch die dickste Strohschicht nicht. Schon gar nicht gegen die Angst. Doch was war geschehen? Warum musste er da sein? Er hörte seine Mama rufen. Sie konnte gar nicht weit weg sein. Trotzdem war er da und sie dort.

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Das verwaiste Kalb

Milch ist gesund und gut für Dich. Milch stärkt die Knochen und soll sogar schlau machen, wie es die NÖM-Werbung suggeriert. Seit den 60er Jahren wird uns dieses Ammenmärchen erzählt und wir glauben es. Untermalt wird das von Szenarien glücklicher Kühe auf der Weide, lustig herumspringenden Kälbchen und der ganzen bäuerlichen Idylle, die uns die Werbung so gerne suggeriert. Wenn es den Tieren eh so gut geht und dieses wunderbare, weiße Getränk so gut für uns ist, warum sollten wir es lassen? Milch ginge vielleicht noch, aber Käse, der ist so schrecklich gut. Darauf können manche nie verzichten, wie sie meinen.

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Bist Du #abgestillt?

Heute, am 01. Juni, ist Weltmilchtag. Grund genug, um nochmals zusammenzufassen, warum es völlig absurd ist, die Muttermilch einer fremden Spezies zu konsumieren. Dabei sollte uns das Wohl der Tiere ebenso am Herzen liegen, wie die Umwelt und unsere Gesundheit. Und wann wirst Du #abgestillt sein?

Hier kannst Du die ganze Episode „Bist Du #abgestillt?“ hören.

Hilfe, mein Kind ist immer noch nicht #abgestillt!

Familiäre, zwischenmenschliche Tragödien werden normalerweise im Verborgenen ausgetragen. Schließlich möchte man nicht als jemand dastehen, der etwas falsch gemacht hat, vor allem, weil man der irrigen Annahme ist, das ist nur mein Problem und alle anderen machen es richtig. Doch wie bei vielem anderen sieht man auch hier, es muss jemand beginnen, sich an die Öffentlichkeit wagen, um zu sehen, es geht vielen anderen genauso wie mir. Ich bin damit nicht alleine. Es fällt einem wie die sprichwörtlichen Schuppen von den Augen. Frau K., als eine Betroffene, hat sich dankenswerter Weise bereit erklärt, hier darüber zu sprechen. Verständlicherweise möchte sie anonym bleiben.

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Mit wem mitleiden und mit wem nicht? (2)

„Ich sage Euch, der Wolf hat in unseren Wäldern nichts verloren!“, kam nun endlich ein Einwurf vom Vater, der sein Mahl beendet und sich mit allen Anzeichen wohliger Zufriedenheit zurückgelehnt hatte. Jetzt konnte er auch wieder sprechen. „Nie zuvor gab es einen Wolf bei uns und wir brauchen ihn auch nicht. Schuld daran sind die, die meinen, wir müssten alle hereinlassen, Flüchtlinge und Wölfe. Man sieht ja was passiert. Die Flüchtlinge, das sind auch die, die die Tiere schächten, also ihnen bei lebendigem Leib ohne Betäubung den Hals aufschlitzen. Die Muslime und die Juden machen das. Da lob ich mir die gute Haltung und die humane Tötung. Man kann es drehen wie man will, die haben eben nicht unsere Zivilisation und nicht unsere Bildung.“
„Ganz genau“, gab ihm die Mutter recht, „Alle gehören erschossen.“
„Die Flüchtlinge?“, zeigte sich Katharina erstaunt, „Das ist aber jetzt schon arg.“

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Es sind doch bloß Babies

Max hat sich eingerollt, ganz eng zusammengerollt, in seiner Box, in der er in Einzelhaft leben muss. Natürlich hat er keinen Namen, nur eine Nummer. Es zahlt sich nicht aus, ihm einen Namen zu geben. Er ist doch bloß ein Kalb, dazu noch ein männliches, das bald tot sein wird oder irgendwo auf einem LKW, verfrachtet zum Schlachten. Ich habe ihm den Namen gegeben, um ihm einen Rest an Würde zu geben, als wäre er jemand gewesen, inmitten einer Industrie, in der er nur Etwas ist. Etwas, das Geld bringt oder nicht. Er bringt keines. € 8,49 ist er wert, in dieser Industrie. Da kostet das Futter mehr, das er braucht, dieser billigste Milchaustauscher. Selbst das ist noch zu teuer. Sein Wert bemisst sich nach seinem Nutzen. Er hat keinen, nicht in diesem System, aber für seine Mutter ist er die Welt. Er rollt sich zusammen, damit die Kälte weggeht, vor allem die der Einsamkeit. Dabei wollte er doch nichts anderes, als bei seiner Mutter sein. Saugen, nicht nur, um den Hunger zu stillen, sondern auch weil es gut tut. Doch er muss da sein, ganz alleine. Er versteht nicht warum. Dabei wollte er doch nichts weiter, als bei seiner Mama zu sein, so wie es sein sollte, nichts weiter, als zu leben.

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Es gibt kein Entrinnen (2)

Eines Tages brachte sie ein Baby zur Welt. Es wollte sich zu der Mutter kuscheln, doch man ließ es nicht zu. Man packte das Kleine, warf es in Scheibtruhe und brachte es fort. Es war ein Mädchen. Deshalb brachte man sie in eine Box, in eine ebensolche, wie jene, in der die ihre ersten Tage zubringen musste, die sie soeben zur Welt gebracht hatte. Wäre es ein Junge gewesen, wäre er nach wenigen Tagen auf einen Transporter verladen und tausende Kilometer weit in den Tod geschickt worden. Aber es war ihr egal, sie wollte ihr Baby nur bei sich haben. Mit schreckgeweiteten Augen musste sie mitansehen, wie es ihr entrissen wurde. Es zerriss ihr fast das Herz. Sie verstand es nicht. Es gab daran auch nichts zu verstehen.

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Es gibt kein Entrinnen (1)

Ihr Kopf sinkt nieder. Sie schließt die Augen. Zu ihrer letzten Nacht. Sie weiß es nicht. Kann sie auch nicht, aber sie fühlt es. Ihre letzte Nacht in Gefangenschaft. Ihre letzte Nacht vor der Freiheit des Todes. Sie wird hinausgeführt werden. Kurz wird sie einen Blick auf die Sonne werfen. Das Gras. Die Weite. Das erste Mal. Das letzte Mal. Dann wird man sie auf den Transporter treiben. Sie wird bereits so erschöpft sein, erschöpft von einem Leben des Leidens und des Schmerzes, in dem sie kaum einen Schritt vor oder zurück gehen konnte, dass sie diese paar Meter nicht schaffen wird.

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Vegan heißt ja zum Leben sagen (1)

Es war einmal ein Mädchen namens Liv, was so viel wie Leben bedeutet, zumindest im skandinavischen Raum, die mit ihrer Hündin Nanna spazieren ging. Sie war eine Mischung aus verschiedensten Hütehunden, semmelbraun, mit langem Fell, groß und stämmig, aber gutmütig wie ein Lämmchen. Bei einem Urlaub in Rumänien hatten Liv und ihre Familie die Hündin als Baby auf der Straße aufgelesen. Seitdem war sie bei ihnen und immer an Livs Seite. An diesem Tag war Liv tief in Gedanken versunken gewesen und hatte nicht auf den Weg geachtet. Erst als ein klägliches Muhen an ihr Ohr drang, sah sie auf und versuchte sich zu orientieren. Sie standen mitten zwischen Feldern auf einem Weg. Den Ort hatten sie schon weit hinter sich gelassen. Doch woher kamen die Geräusche, die eindeutig als solche zu identifizieren waren, die Kühe von sich gaben. Kleine Kühe. Endlich machte Liv winzige Hütten aus, vor denen jeweils ein kleiner abgezäunter Bereich war. Wie Minihäuser mit Balkon wirkte es. Und in jeder dieser Hütten befand sich ein Kälbchen.

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Aus dem Leben einer Milchkuh

Die Kuh ist, ebenso wie der Mensch, ein Säugetier. Damit ein Säugetier Milch produziert muss es ein Baby bekommen. So werden weibliche Kühe, die zur Milchproduktion herangezogen werden, so früh wie möglich künstlich besamt und gebären nach neun Monaten ein Kalb, das ihnen sofort wieder weggenommen wird, da dieses sonst die Milch einfach wegtrinken würde. Stattdessen erhält es angereicherte Sojamilch. Um einen Liter Milch zu produzieren, muss das Herz 500 Liter Blut durch das Euter pumpen. Das ergibt 20.000 Liter bei einer Milchleistung von 40 Litern pro Tag, was die Regel ist, zumindest in der Milchindustrie. Natürlich wären sechs Liter pro Tag. Dazu kommen noch ca. 50.000 Pumpleistungen für die Leber, die für den Stoffwechsel von entscheidender Bedeutung ist, zusätzlich zur Durchblutung des restlichen Körpers. Vergleichbar ist diese Leistung mit der eines Rennpferdes im Galopp. Sie bestreitet quasi vier- bis sechsmal pro Tag einen Marathon, sieben Tage in der Woche, 44 Wochen im Jahr.

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