Ihr habt mir mein Kind gestohlen (3)

Meinen unbekannten Babies!

So lange ich denken kann, lege ich Eier, inmitten von vielen anderen. Es ist so eng, dass ich mich kaum bewegen kann. Dabei ist es eine gute Haltung, wie ich hörte, Bodenhaltung. Doch es ist einfach nur eng und stinkt. Aber all das könnte ich ertragen, wenn nicht die Sache mit meinen Babies wäre. Ich lege Eier, weil ich eine Henne bin. Mein Körper tut es. Jeden Tag lege ich ein Ei. Aber ich weiß noch mehr.

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Ihr habt mir mein Kind gestohlen (1)

Mein liebstes Kind!

Ich bin eine Mutter, Deine Mutter, und doch hatte ich nie wirklich Mutter sein dürfen. Ja, ich habe Dich zur Welt gebracht. Es war der schönste Tag meines Lebens. Davor, da stand ich nur im Stall, angekettet, ohne je die Sonne sehen zu dürfen oder mir den Wind um die Nase wehen lassen zu können. Doch dann merkte ich, dass ich bald ein Baby bekommen wurde. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie sehr ich mich gefreut hatte. Es würde zwar nichts an meiner Lage ändern, aber da wäre endlich jemand, den ich umsorgen könnte. Ich wäre nicht mehr alleine.

Dann war es soweit. Du kamst aus meinem Körper. Hilflos lagst Du neben mir und ich begann Dich abzuschlecken. Ich sog Deinen Geruch in mich ein. Es war der schönste auf der ganzen Welt. Ich war so unendlich glücklich. Du und ich, das war von Anfang an etwas ganz Besonderes. Ich sprach Dich an und Du antwortetest Du mir. Unter all den anderen Babies hätte ich Deine Stimme immer herausgehört. Sie war einzigartig, so wie Du. Dann versuchtest Du Dich aufzurichten. Vorsichtig stelltest Du Dich auf die Beine. Es klappte. Du warst zwar noch recht wackelig, aber Du fielst nicht mehr um. Nein, wir würden nicht auf der Weide herumtoben und spielen können, dessen war ich mir sicher. Das hätten die Menschen nicht erlaubt, aber das war nicht mehr so schlimm, so lange wir zusammen waren.

Doch das Glück währte nur kurz, denn sie kamen, um Dich zu holen. Ich fühlte mich wie vor den Kopf geschlagen. Als erst sorgten die Menschen dafür, dass ich ein Baby bekam, nur um es mir dann wegzunehmen. Ich verstand es nicht, nur, dass sie Dich auf eine Schubkarre schmissen und mit Dir davon fuhren. Mir zerriss es fast das Herz, als ich mitansehen musste, dass Du weggebracht wurdest. Zum ersten Mal in meinem Leben begann ich zu randalieren. Ich musste hier weg, musste zu Dir. Verzweifelt und mit der Kraft der Liebe gewappnet riss ich an meiner Kette, doch es nützte nichts. Ich war nicht stark genug. Die Kette hielt und Du warst fort. Von Ferne hörte ich Deine klagenden Rufe, denen ich antwortete. Ich konnte es nicht glauben. Ja, die Menschen hatten mich hier eingesperrt, aber niemals hätte ich gedacht, dass sie so grausam sein könnten. Doch ich hatte es erlebt. Ich schrie mir fast die Seele aus dem Leib, nach Dir. Tag und Nacht, bis ich vor Erschöpfung einschlief. Von da an kamen sie jeden Tag und nahmen mir meine Milch weg, Deine Milch. Und langsam begann ich zu begreifen. Sie hatten uns voneinander getrennt, um die Milch zu bekommen, die für Dich bestimmt ist, damit Du groß und stark wirst. Aber warum konnten sie sie nicht teilen? Es wäre doch genug dagewesen, so prall und voll, wie sich meine Brüste anfühlten, genug für sie, damit sie, wer weiß was damit machten, und für Dich, mein Kind. Aber sie wollten alles für sich alleine. Irgendwann war da nur mehr die Trauer. Was wohl aus Dir geworden war? Du warst ein Mädchen. Es würde Dir wohl genauso ergehen wie mir, wenn Du alt genug warst. Wärst Du ein Bub gewesen, dann hätten sie Dich ganz schnell ermordet, denn Buben haben keinen Wert. Sie geben nicht die Milch, die die Menschen haben wollen, Milch, die für mein Baby gedacht ist. Wie sehr würde ich mir wünschen, dass Du ein anderes Leben führen könntest als ich. Aber dazu müssten die Menschen aufhören uns unsere Milch wegzutrinken. Ich habe auch gehört, dass sie ihnen gar nicht gut tut. Sie machen es trotzdem.

Dann begannen meine Brüste zu schmerzen. Ich hatte eine Euterentzündung, die so schlimm war, dass sie meine Milch nicht mehr brauchen konnten. Dann wurde ich aus dem Stall geführt. Zum ersten Mal in meinem Leben durfte ich die Sonne sehen und mir den Wind um die Nase wehen lassen, zum ersten und letzten Mal, denn sie hatten mich bloß aus dem Stall geholt, um mich zum Schlachthof zu bringen, denn ich war auch nichts mehr wert.

Ich habe von Menschen gehört, die sich dafür einsetzen, dass die Babies bei den Müttern bleiben dürfen, weil sie meinen, dass die Milch für die Kinder ist. Ich hoffe, Du wirst es noch erleben, dass es so sein wird und Dir Deine Kinder nicht weggenommen werden.

In Liebe,
Deine Mama

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Du hast Dich in mein Herz geschlichen

Eigentlich bin ich der Prinz im Haus. Nicht von Anfang an, natürlich. Wenn man als kleiner Welpe zu seinen Besitzern kommt, dann gilt es zunächst, die Lage zu sondieren. Kluge Hunde tun das, und zu dieser Sorte kann ich mich, bei aller Bescheidenheit, zählen. Nicht so wie andere, die mit Übereifer und Unverfrorenheit in das Haus stürmen und alles in Besitz nehmen. Das haben die Menschen nicht so gerne. Einem Welpen wird wohl noch so manches nachgesehen, doch es bleibt etwas im Gedächtnis haften. Ich, für meinen Teil, gab mich schüchtern.

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Bis zum Schluss

Du liegst auf Deinem Lieblingsplatz in der Sonne. Du magst die Wärme. Ich sitze bei Dir und streichle Dich. Dein Atem geht gleichmäßig, aber man kann es hören, dass Du nicht ungehindert atmen kannst. Wenn Du ruhig liegst, ist alles gut. Du hast die Augen geschlossen und ich streichle Dich, spüre die Wärme Deines Körpers und die Ruhe, die von Dir ausgeht. Streicheln ist gut für den Kreislauf, habe ich gelesen. Kann sein. Ein positiver Nebeneffekt, denn vor allem verbindet es. Wir sind einfach da. Früher, als Du noch jünger warst, kamst Du und hast es eingefordert, das Streicheln. Jetzt bist Du alt, liegst mehr als früher und wenn ich zu Dir komme, Dich zu streicheln, ist es gut. Die Haare sind weiß geworden und alles geht ein wenig gemächlicher von statten, als früher. Dabei kommt es mir vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass Du als kleiner, quirliger Welpe zu uns kamst.

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Die Zukunft ist vegan (3): Es kann keine nicht-vegane Zukunft geben

Vegan lebende Menschen sind ebenso wenig perfekt, wie alle anderen auch, aber sie haben eines begriffen – und das hängt wohl auch mit einer besonderen Verbindung zum Leben zusammen, nämlich, dass es möglich ist, die gegebenen Verhältnisse, soziale Bedingtheiten, vorgegebenen Gedankenbahnen, zu verlassen und eigene einzuschlagen. Dazu braucht es nichts weiter, als einen gesunden Mix aus Intelligenz, Kreativität und Durchhaltevermögen. Intelligenz hilft, die Dinge zu verstehen, sie zu begreifen, aber es benötigt einer gewissen Portion an Kreativität Vorgefertigtes zu zerlegen und neu zusammenzusetzen. Die Elemente bleiben die gleichen, weil wir nur die haben, die es gibt. In dem Fall Menschen und ihr Umgang mit der nicht-menschlichen Umwelt. Man zerlegt sie und setzt sie neu zusammen, so dass etwas Neues entsteht. Nicht unbedingt für die Gesamtheit, aber für die/den Einzelne*n.

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Die Zukunft ist vegan (2): Die Re-Biedermeierisierung der Gesellschaft

Bei der Beantwortung der Frage, warum jene, die sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen aller Lebewesen einsetzen, torpediert, angegriffen, diskreditiert und verunglimpft werden, spielen viele Aspekte eine Rolle. Zunächst sind es die gesellschaftlichen Bedingungen, die ihren Niederschlag in den politischen Verhältnissen finden. Der Mensch in der der bürgerlichen Gesellschaft dieser Tage ist mit jenem zur Zeit des Biedermeier vergleichbar, das die Zeitspanne zwischen dem Ende des Wiener Kongresses 1815 bis zum Beginn der bürgerlichen Revolution 1848 umfasst. Das Ideal dieser Zeit war die gemütliche, unpolitische Häuslichkeit. Politisch war sie geprägt von Spitzelwesen, Denunziantentum und Unterdrückung. Dieser Rückzug in die eigenen vier Wände, die Fokussierung auf den eigenen Nabel, findet auch heute wieder statt. Der große Unterschied besteht darin, dass die Überwachung viel einfacher ist, als damals. Metternich hätte seine helle Freude gehabt.

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