Artgerecht ist nur die Freiheit (1)

Meine Hündin kuschelt sich zu mir. Sie zittert am ganzen Körper und hechelt, weil ihr das nahende Gewitter Angst macht. Ich streichle sie und rede ihr beruhigend zu. Wirklich entspannen kann sie erst, wenn das Gewitter vorbei ist. Nein, sie wäre dort draußen in der Wildnis, nicht überlebensfähig und dennoch bin ich überzeugt davon, dass nur die Freiheit artgerecht ist.

„Wenn man das ernst nimmt“, so wird mir gesagt, „dann müssten wir jetzt noch alle Tiere, Haus-, Nutz-, Gebrauchstiere, vor die Türe setzen und wir dürften uns nicht mehr um sie kümmern. Ziemlich perverse Einstellung. Du würdest sie also beinhart zugrunde gehen lassen?“

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Unverhofft

Seit Stunden saß ich nun da und meine Gedanken drehten sich im Kreis. Unbedingt musste ich fertig werden. Der Termin hing wie ein Damokles-schwert über meinem Nacken. „Woher kommt überhaupt der Ausdruck ‚Damoklesschwert‘?“, ging es mir unvermittelt durch den Kopf, und sofort ging ich daran, es nachzuschlagen. Da hatte ich zumindest den Eindruck, etwas zu tun. Doch wem machte ich etwas vor? Mir selbst. Immer nur mir selbst. Tat so, als wäre das jetzt wichtig. Doch das war es nicht. Wichtig war die Arbeit, die fertig gemacht werden wollte, und ich kam keinen Schritt vorwärts. Wie ein Hund, der seinen Schwanz jagt, kam ich mir vor, und selbiger setzte sich nun auch noch vor mir hin und winselte. Verstohlen sah ich auf die Uhr. Er wollte raus, sich bewegen. Natürlich, es war höchste Zeit. „Ja, wir gehen gleich“, sagte ich beschwichtigend, aber halbherzig, „Ich mach das da nur noch schnell fertig, dann gehen wir. Das musst Du doch verstehen!“

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Immer an meiner Seite

Ich sitze auf den Stiegen, die zur Eingangstüre zum Haus meiner Großeltern führen und versuche mich zu sammeln. Wann war ich das letzte Mal hier gewesen? Es muss viele Jahre her sein. Nichts mehr ist, wie es damals war. Meine Großeltern sind schon lange tot. Jetzt wohnt meine Tante in dem Haus, aber das ist nicht der Grund, warum ich ungern herkomme. Denn schon in diesem Damals, als sie noch lebten, war nichts mehr, so wie es vorher war. Vor dem Damals war eine glückliche Zeit für mich, diese ersten Jahre meines Daseins. Eigentlich bin ich hier aufgewachsen und mit an meiner Seite, so lange ich denken konnte, ein schwarzer Spaniel.

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Vegan heißt Ja zum Leben Sagen (2)

Eine halbe Stunde später kam Liv beim Tierarzt an. Bloß eine halbe Stunde, die ihr wie eine Ewigkeit vorgekommen war. Nanna war brav mitgelaufen. Mit aller Selbstverständlichkeit. Der Tierarzt Dr. Wagenscheidt war noch in der Ordination, obwohl die Sprechstunde schon vorbei war. Versonnen saß er hinter dem Schreibtisch, als Liv mit Nanna im Schlepptau und diesem winzigen Bündel Leben in Händen schnurstracks eintrat.

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