Weil es immer schon so war

Wir besuchten einen kleinen Hofladen in unserer Nähe, in dem die Stücke von toten Schweinen vom eigenen Hof verkauft werden. Regionale Schmankerl aus artgerechter Tierhaltung werden hier angeboten, so wird es angepriesen. Wenn man hineingeht, fällt über der Theke, in der die verarbeiteten Leichen zum Verkauf liegen, ein Bildschirm auf, auf dem in Dauerschleife Bilder laufen. Es zeigt den Hof, die Gebäude und den Laden, die Familie, die den Hof und den Laden betreibt. Was besonders ins Auge sticht, sind zwei Fotos, auf denen man Kinder mit einem Ferkel spielend im Stroh sieht. Was für eine verlogene Welt, denn dieses eine, kleine Ferkel hat genau einmal in seinem Leben das Tageslicht und Stroh gesehen, nämlich als das Foto gemacht wurde. Dann wurde es zurückgesetzt zu den anderen, auf den Vollspaltenboden und neben die Mama im Kastenstand.

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Das Recht, die Welt zu zerstören

„Ich lasse mir mein Recht auf Fleisch nicht nehmen!“, sagt er, die Arme vor der Brust verschränkt und vor Wut schnaubend, als hätte ich das je vorgehabt, ihm irgendetwas zu nehmen. Alles was ich tat, und dessen bekenne ich mich unumwunden schuldig, war, ihm die Nachteile einer Lebensweise, bei der tierliche Produkte konsumiert werden, darzulegen.

„Ich lasse mir mein Recht auf Fleisch nicht nehmen!“, ist die Erwiderung, ein zweites Mal, nun präzisiert durch den Zusatz, „Von Euch faschistischen Veganern schon gar nicht. Ihr glaubts wirklich, ihr habts die Weisheit mit dem Löffel gefressen und jetzt wollt ihr sie jedem reinstopfen. Aber bei mir funktioniert das nicht.“ Dass da nichts zu machen ist, ist mir klar. Ich sehe ihn an und muss unwillkürlich an ein kleines Kind denken, dass sich in seinen Schmollwinkel zurückgezogen hat und partout nicht zuhören will, geschweige denn verstehen.

„Schließlich schreibe ich Euch auch nicht vor, was ihr zu tun habt“, fügt er noch hinzu, „Ihr könnt von mir aus euren Fraß essen, aber ich esse, was ich will. Jeder soll so leben, wie er will und die anderen respektieren.“ Damit dreht er sich um und geht. Hätte es Sinn gemacht, etwas zu sagen, irgendetwas, was angekommen wäre?

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