Das gerettete Ferkel

Wieder einmal gab es eine Aufdeckung einer Tierrechtsorganisation. Diesmal in einem Schweinestall. Genauerhin handelte es sich um einen Zucht- und Maststall. Wenn die Tiere schon nicht herauskönnen, dann haben sie doch dort zumindest Stroh, Buchten, in denen sie toben können und die Mamas haben mit ihren Ferkeln extra Buchten, für jede Mama eine. So wird es uns doch ständig suggeriert. Man müsse Verständnis haben, dass es nicht jedem*r Landwirt*in möglich ist, die Tiere im Freien zu halten, aber im Stall, da ist es schön, da haben sie es lustig und es geht ihnen gut. Schließlich wird auf sie geschaut. Man überlege nur, das ist ja schließlich das Kapitel des*r Landwirt*in. Denn wenn es den Tieren nicht gut geht, dann werden sie krank und sterben. Das ist nicht im Interesse der Besitzer*innen, die damit Geld verdienen wollen. Die Erklärung leuchtet ein, so dass man sich entspannt zurücklehnt und in dem guten Gedanken wiegt, den Tieren geht es gut. Bis man die Aufdeckung sieht und sich eigentlich eingestehen muss, dass man ständig belogen wurde und sich belügen ließ. Ist auch viel einfacher, bloß zu glauben und nicht weiter nachzufragen, ja nachzusehen.

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Das mutige Küken

Jeden Tag musste ich an diesem Stall vorbeigehen. Eigentlich war es ein Stall, auch wenn die Hallen eher an Fabrikshallen erinnerten. Es würde auch besser passen. Darin passierte Aufzucht als Produktion. Einmal hatte ich mir das ansehen dürfen. Hühner, die erst ein paar Wochen alt waren, waren zusammengepfercht worden, dass sie keinen Platz hatten. Als Babies, wenn sie angeliefert wurden, da sah die Halle weitläufig aus, aber sie waren darauf gezüchtet worden, so schnell wie möglich zu wachsen. Innerhalb von sechs Wochen erreichen sie ihr Schlachtgewicht. Das Wachstum passiert so rapide, dass viele nicht mehr aufrecht stehen können, weil die Brust zu schwer ist und sie nach vorne zieht, wenn der Staubsauger kommt und sie einsammelt, um sie zum Schlachthof zu bringen.

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Mit wem mitleiden und mit wem nicht? (2)

„Ich sage Euch, der Wolf hat in unseren Wäldern nichts verloren!“, kam nun endlich ein Einwurf vom Vater, der sein Mahl beendet und sich mit allen Anzeichen wohliger Zufriedenheit zurückgelehnt hatte. Jetzt konnte er auch wieder sprechen. „Nie zuvor gab es einen Wolf bei uns und wir brauchen ihn auch nicht. Schuld daran sind die, die meinen, wir müssten alle hereinlassen, Flüchtlinge und Wölfe. Man sieht ja was passiert. Die Flüchtlinge, das sind auch die, die die Tiere schächten, also ihnen bei lebendigem Leib ohne Betäubung den Hals aufschlitzen. Die Muslime und die Juden machen das. Da lob ich mir die gute Haltung und die humane Tötung. Man kann es drehen wie man will, die haben eben nicht unsere Zivilisation und nicht unsere Bildung.“
„Ganz genau“, gab ihm die Mutter recht, „Alle gehören erschossen.“
„Die Flüchtlinge?“, zeigte sich Katharina erstaunt, „Das ist aber jetzt schon arg.“

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Tiere retten ist nicht genug (5)

Was Tatjana sich vorgenommen hatte, setzte sie auch in die Tat um. Es war so leicht, viel leichter als sie dachte, sich ohne tierliche Produkte zu ernähren. Vor allem die vegane Community unterstützte sie sehr. In erster Linie, wenn sie sich mit Nicht-Veganer*innen auseinandersetzte, denn das war eine der merkwürdigsten Erfahrungen, die sich machen musste. Sobald jemand erfuhr, dass sie sich tierleidfrei ernährte, wurde sie verhöhnt, im besten Fall, zumeist aber beschimpft und heruntergemacht. Sie verstand die Welt nicht mehr. Sie versuchte, so weit es ihr möglich war, Tierleid zu vermeiden und damit letztlich auch Menschenleid, und dafür wurde sie angefeindet? Sie tat ja niemandem was zuleide, ganz im Gegenteil?

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Tiere retten ist nicht genug (3)

Tatjana stand da und wusste nicht, was sie sagen sollte. Am liebsten hätte sie Balduin geschnappt und wäre mit ihm davongelaufen, aber dann warf sie einen Blick auf den Kleinen und war überzeugt, dass trotz aller Ablehnung, die ihr entgegenschlug, hier ein Platz für ihn wäre, an dem er ungezwungen und glücklich leben könnte.
„Weil er sonst nirgends hin kann und wenn ich mir Ihre Tiere ansehe, dann bin ich mir sicher, dass Sie niemanden auf die Straße setzen“, sagte Tatjana und versuchte ihre Stimme so selbstsicher wie möglich klingen zu lassen.
„Und was meinst Du, wer die Kosten übernimmt. Du?“, fragte die Frau weiter.
„Das kann ich nicht, aber ich könnte helfen. Sie brauchen sicher jemanden, der ausmistet oder die Tiere füttert“, meinte Tatjana, nun doch sicherer werdend, denn warum sollte die Besitzerin des Gehöfts weiterfragen, wenn sie nicht zumindest in Erwägung zog, dass sie Balduin aufnähme?

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Tiere retten ist nicht genug (2)

Tatjana hatte auf ihrem Weg noch Hundefutter besorgt. „Bis morgen wird es wohl reichen, schätze ich“, dachte Tatjana, als sie dem kleinen Hund beim Fressen zusah. Begierig schlang er alles in sich hinein, um sich dann schwanzwedelnd neben die Schüssel zu setzen, die großen, dunklen Augen hoffnungsfroh auf Tatjana gerichtet. In diesem Moment hörte das Mädchen, wie die Wohnungstüre geöffnet wurde und ihre Mutter den Flur betrat. Noch bevor Tatjana reagieren konnte, war der Welpe losgestürmt, um den Neuankömmling zu begrüßen. „Nichts mit sacht darauf vorbereiten“, dachte Tatjana, während sie all ihren Mut zusammennahm und ihrer Mutter entgegenging. Doch das Bild, das sich Tatjana bot, ließ sie staunen.

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Tiere retten ist nicht genug (1)

Tatjana hielt kurz inne, um sich zu vergewissern, ob sie richtig gehört hatte und um den Ursprung des Winselns zu lokalisieren. Dann sprintete sie los, durch den Torbogen in den Innenhof der Wohnhausanlage. Sie achtete nicht auf den schweren Rucksack, der auf ihren Rücken hin und her geworfen wurde, auch nicht auf ihr vor Angst pochendes Herz. Ja, sie hatte Angst davor, was sie entdecken würde. Das Winseln wurde lauter. Dann endlich sah sie es, fünf junge Burschen, die ein kleines Fellknäuel mit Steinen bewarfen. Dröhnendes Lachen begleitete ihr makabres Spiel.

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Das Weihnachtswunder

Maria sah auf die Uhr und erschrak. „Schon so spät“, dachte sie, während sie die Sachen zusammenpackte, die sie für den Besuch bei ihren Eltern brauchte. Es war nicht viel, weil sie keine normalen Geschenke machte, wie es so schön heißt, sondern Selbstgemachtes. Sie mochte die Individualität und vor allem sich Gedanken zu machen, wozu man Dinge umfunktionieren konnte, die man selbst nicht mehr brauchte. In diesem Jahr waren ihr besonders schöne Stücke gelungen, war sie überzeugt. Dennoch kam es nicht von ungefähr, dass sie den Moment des Aufbruches so hinauszögerte, eigentlich bis zur letzten Minute. Jetzt konnte sie nicht mehr länger warten, bis sie den Gang zu ihren Eltern antrat, um mit ihnen Weihnachten zu feiern.

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Wenn es mir passiert

Irgendwann, wenn Du nur lange genug gelebt hast, denkst Du, Du kennst alles, hast schon alles gesehen, alles erlebt, alles gehört. Vielleicht gibt es da und dort noch eine kleine Nuancierung, aber wenn Du den Anfang einer Geschichte hörst, dann weißt Du bereits um das Ende, bis, ja bis Dich Deine eigene Geschichte lehrt, dass es immer noch ganz anders kommen kann.

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Vegan heißt Ja zum Leben Sagen (2)

Eine halbe Stunde später kam Liv beim Tierarzt an. Bloß eine halbe Stunde, die ihr wie eine Ewigkeit vorgekommen war. Nanna war brav mitgelaufen. Mit aller Selbstverständlichkeit. Der Tierarzt Dr. Wagenscheidt war noch in der Ordination, obwohl die Sprechstunde schon vorbei war. Versonnen saß er hinter dem Schreibtisch, als Liv mit Nanna im Schlepptau und diesem winzigen Bündel Leben in Händen schnurstracks eintrat.

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