Ihr habt mir mein Kind gestohlen (2)

Meine Babies!

Ihr lagt neben mir und ich konnte nichts für Euch tun, weder für Euch, noch für mich. „Mama, warum liegst Du einfach nur da und baust uns kein Nest? Warum spielst Du nicht mit uns? Hast Du uns nicht lieb?“, schient ihr zu fragen. Aber es ist, weil ich nicht anders konnte. Doch mein Martyrium begann nicht erst mit Eurer Geburt, sondern bereits lange Zeit davor. Ich wurde auserkoren, Babies zu bekommen. Alle anderen werden nach 6 Monaten Leidenszeit geschlachtet, aber ich durfte länger leben. Was für eine Farce!

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Unbetäubt

Es gibt kein Entrinnen, für sie nicht und auch nicht für all die anderen, hunderte ihrer Gefährt*innen. Von Anfang an hatte sie keine Chance, sie, und all die anderen, denn sie war als Schlachtvieh geboren worden. Es war beschlossen. Für sie wurde es beschlossen, dass sie auf die Welt kommen sollte, um ermordet zu werden. Zügig gemästet. Es dauert nur wenige Monate. Eine allzu kurze Lebenszeit. Aber deshalb war sie auf die Welt gekommen, um den Menschen zu dienen. Sie war ihr Eigentum, mit dem sie machen durften, was sie wollten. Mehr noch, Gott selbst hatte es sanktioniert, hatte gesagt, dass der Mensch mit den anderen Kreaturen verfahren dürfe, wie er wolle. Zumindest wird es behauptet.

Doch was ist das für ein Gott, der es gutheißt, dass andere Lebewesen grausamst massakriert werden? Was ist das für eine Religion, die es verlangt, dass unseren Mitgeschöpfen unnötige Qualen auferlegt werden?

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Wenn es mir passiert

Irgendwann, wenn Du nur lange genug gelebt hast, denkst Du, Du kennst alles, hast schon alles gesehen, alles erlebt, alles gehört. Vielleicht gibt es da und dort noch eine kleine Nuancierung, aber wenn Du den Anfang einer Geschichte hörst, dann weißt Du bereits um das Ende, bis, ja bis Dich Deine eigene Geschichte lehrt, dass es immer noch ganz anders kommen kann.

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Normal und extrem

Normal ist es kurz vor Weihnachten einen gefällten Baum ins Haus zu bringen und ihm langsam beim Sterben zuzusehen, während das sog. Fest der Liebe gefeiert wird. Ab dem 06. Januar sieht man dann überall die Baumleichen herumliegen, ausgedient, weggeworfen und das alles für eine paar Tage der Behübschung.

Extrem ist es, sich in der Natur einen Baum zu suchen, den man für die Wildtiere mit etlichen Leckerbissen behängt. Extrem, weil man den Baum leben lässt und die Behübschung nicht nur für sich selbst macht, sondern auch um anderen Gutes zu tun. Aber das extremste ist, dass man den Baum nicht käuflich erwirbt und besitzen will, sondern ihn einfach in Ruhe lässt.

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Wo bist Du?

Wenn sie ihr das Baby direkt nach der Geburt
von der Brust wegreißen,
damit ihr ihre Milch trinken könnt
und sie den Schmerz einer Mutter aus sich herausschreit,
stundenlang, tagelang.

Seid ihr so blind vor Gier,
so taub vor Eigennutz.

Wo bist Du?

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Im Stall

Der volle, blasse Mond erhellte den Hof, sodass wir die Taschenlampen vorläufig nicht brauchten. Kein Hund lag vor der Türe, und es brannte kein Licht. Es stand allerdings auch kein Auto in der Einfahrt. So gingen wir direkt auf die Stalltür zu. Kurz hielten wir inne, doch kein Laut war zu vernehmen, außer den Klagelauten der Schweine im Stall. Vorsichtig öffneten wir das große Tor, das nicht verschlossen, sondern nur angelehnt war. Wir schoben den einen Flügel gerade so weit auf, dass wir hindurchschlüpfen konnten. Ein atemberaubender Gestank schlug uns entgegen, und ich fürchtete schon ohnmächtig zu werden. Doch ich riss mich zusammen. Jetzt war nicht der Zeitpunkt, schwach zu sein.

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Glückliche Schweine in Österreich

Ist es nicht wunderschön zu sehen, wie die Schweine, die großen und die kleinen, über die Wiese galoppieren, die Kuh besuchen, mit ihr plaudern. Wir kennen es vom Ja-natürlich-Ferkel. Es ist eine Wonne und Schweine, vor allem die kleinen, sind ja auch so süß. Wir kennen die Bilder aus der Werbung, und wenn man lange genug sucht, auch aus der Wirklichkeit. Es gibt sie tatsächlich, die Schweinchen, die süßen rosanen, von denen mittlerweile jeder weiß, dass sie intelligent sind wie dreijährige Kinder und damit unseren Haushunden weit überlegen. Sie spielen und wühlen und genießen das Leben. Sie bauen Nester für die Babies und erfahrene Altsauen unterstützen die jungen, unbedarften bei der Aufzucht. Und sie haben einen gesonderten Bereich, in dem sie ihre Notdurft verrichten. So weit die Idylle. So weit die Illusion. Nicht ganz. Für immerhin 1.500 Schweine in Österreich ist diese Idylle tatsächlich Realität. Für 1.500 von 3.000.000. Also heiße 0,05%.

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Fische leiden ungehört

Tim ging jeden Tag, wenn er von der Schule nach Hause ging, am Mühlenweiher vorbei. Nicht direkt, um ganz ehrlich zu sein. Vielmehr nahm er einen Umweg von ungefähr zehn Minuten in Kauf, um seinen Freund zu besuchen. Er hatte ihn Red genannt, weil es sich um eine Rotfeder handelte, einen kleinen Fisch mit markanten Merkmalen. Auch wenn es seltsam anmuten mag, aber Tim, mit seinen gerade mal zehn Jahren hatte einen ausgeprägten Sinn für die Natur. Er fühlte sich ihr zutiefst verbunden. Wahrscheinlich legen die meisten Menschen das erst später in ihrem Leben ab. Tim jedenfalls konnte es noch, die Natur um sich einfach wahrzunehmen, wie sie war, ohne jegliche Ansprüche zu stellen. So hatte er es sich schon vor längerer Zeit zur Angewohnheit gemacht, eine Zeitlang auf dem Steg zu verweilen und das Wasser zu beobachten. Eines Tages geschah etwas, was wohl noch wenige Menschen erleben durften, aber die meisten Menschen hätten auch nicht die Geduld gehabt und die Absichtslosigkeit.

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Es gibt kein Entrinnen (2)

Eines Tages brachte sie ein Baby zur Welt. Es wollte sich zu der Mutter kuscheln, doch man ließ es nicht zu. Man packte das Kleine, warf es in Scheibtruhe und brachte es fort. Es war ein Mädchen. Deshalb brachte man sie in eine Box, in eine ebensolche, wie jene, in der die ihre ersten Tage zubringen musste, die sie soeben zur Welt gebracht hatte. Wäre es ein Junge gewesen, wäre er nach wenigen Tagen auf einen Transporter verladen und tausende Kilometer weit in den Tod geschickt worden. Aber es war ihr egal, sie wollte ihr Baby nur bei sich haben. Mit schreckgeweiteten Augen musste sie mitansehen, wie es ihr entrissen wurde. Es zerriss ihr fast das Herz. Sie verstand es nicht. Es gab daran auch nichts zu verstehen.

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Ein Leben voller Leiden

Es begann am ersten Tag, ja im ersten Moment meines Lebens, ein Leiden, das erst mit meinem Tod sein Ende fand. Ich war ein Schwein, bloß ein Schwein. Wäre ich als Hund auf die Welt gekommen, die halbe Welt hätte Zeter und Mordio geschrien, wenn ich so behandelt worden wäre, aber ich war ja bloß ein Schwein, ins Leben geholt, um einem sechs Monate währenden Martyrium ausgesetzt zu werden, damit ich gegessen werden konnte. Ein Leben. Kein Leben eigentlich. Von Anfang an. Aber ich gehörte einen Menschen und Menschen dürfen mit ihrem Eigentum machen, was sie wollen, auch wenn in diesem Eigentum ein Herz schlägt. Es ist egal. Fast. Hunden geht es anders. Auch Katzen. Aber nicht Schweinen.

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