Die Technisierung des Uterus

Christian setzte sich auf die Couch. Martinique auf den Boden. Das tat sie immer, wenn sie uneingeschränkt nachdenken wollte. Verbundenheit. Und wenn es nur der Boden eines Zimmers war.
„Früher war es ein Mysterium, ein Geheimnis“, begann Martinique sich und ihre Gedanken mitzuteilen, „Dann entdeckten die Menschen das Geheimnis, entmystifizierten es. Wir wissen nun um die Zusammenhänge und den Ablauf.“
„Das ist doch wunderbar, zu wissen“, meinte Christian.
„Natürlich ist es das“, bestätigte Martinique, „Doch was wurde aus dem Wissen gemacht? Das weibliche Tier wurde zur lebendigen Brutkammer degradiert, in der der Fötus bzw. Embryo heranreifte. Der normale Vorgang der Schwangerschaft und Geburt, wurde ihr entrissen und der Technik unterworfen. Damit zu einer männlichen Domäne. Das Baby zum Produkt und Eigentum des Schöpfers der Technik. Mittels Ultraschalls wird beobachtet, wie es sich entwickelt, die Geburt unter Anleitung eines Arztes zu einem Vorgang, der keiner Einmischung der Gebärmaschine mehr bedarf. Sie wissen es besser.“
„Aber die moderne Medizin hat auch vielen geholfen“, warf Christian ein.

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Wohlfühlhormone

„Duavive“ heißt das Medikament, das ihr vom Arzt verschrieben wurde. Es stammt von der Pharmafirma Pfizer, deren Motto lautet, „Breakthroughs that change patients life“. Ein hehrer Anspruch, möchte man meinen, wobei niemand weiß in welche Richtung die Lebensveränderung geht oder welche Durchbrüche gemeint sind. Zumindest nicht in die Richtung der Verminderung von Tierleid, ganz im Gegenteil. Dieses unscheinbare Medikament, das bei Östrogenmangel nach der Menopause helfen soll, enthält angeblich nichts weiter als konjugierte Estrogene und Bazedoxifen. Hört sich harmlos an, ist es aber nicht. Deshalb schauen wir uns mal an, woher diese Östrogene kommen und wie sie gewonnen werden. Dazu hatte man bis 2012 keinen weiten Weg zu bewältigen. Jetzt muss man sich schon nach China, Kasachstan oder Polen begeben. Wobei in China alleine 90.000 Stuten stehen, von denen die Hormone gewonnen werden, weil die Wechselbeschwerden ja so lästig sind, ja beinahe lebensgefährlich. Es gibt auch andere Behandlungsmethoden, aber wer will das schon, wenn viele daran gut verdienen.

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