Erkenntnis ist irreversibel (2)

Es war ein weiter Weg, von der Innenstadt bis zum Stadtrand und über die Felder, bis sie endlich vor dem besagten Stall standen. Der Mond schien hell, so dass sie alle Einzelheiten genau erkennen konnten. Einige Momente hielten sie inne. Dann steuerte Rebekka direkt den Eingang an. Vorsichtig griff sie nach der Klinke, drückte sie herunter und fand die Türe, zu ihrer großen Überraschung, unverschlossen. Daraufhin winkte sie Paul, der im Feld stehengeblieben war und wirkte, als wollte er sich keinen Schritt vorwärtsbewegen. Rebekka war verärgert. „Wer sich hier nicht traut!“, dachte sie noch, während sie zu Paul hinüberging, ihn grob am Arm packte und hinter sich herzog. „Ich mich nicht trauen“, knurrte sie, als sie die Türe öffnete.

Weiterlesen

Tierwohl – Made in Austria

Wer die Bilder und Filme der aktuellsten Aufdeckung des VGT gesehen hat, war entsetzt, zurecht, wie ich meinte. Da sah man Mutterschweine in Kastenständen eingezwängt, sowie in sog. Abferkelboxen. Diese Eisengestelle sind gerade mal so groß, dass das darin gefangene Tier, genügend Platz hat, darin zu stehen. Schon beim Niederlegen berührt es die Nachbarin. Die Tiere sind übersät von offenen Stellen und Geschwüren, teilweise kindskopfgroß. Neben den Mutterschweinen die Ferkel, mit zerschnittenen Gesichtern, resultierend aus dem Kampf um die Zitzen. Degradiert zur Zitzenmaschine, die nicht anders kann, als das Kleine zu zerdrücken, wenn sie sich ein bisschen bewegt. Sie kann nicht ausweichen. Daneben verendende oder bereits verendete Babies, eingepfercht zwischen Scheiße und ihren Geschwistern, natürlich auf Vollspaltenboden. Die Mülltonnen sind voll mit toten Ferkeln. So weit die Ausgangslage. Die Menschen, die es sahen, wurden von einer großen Aufregung befallen. Ich bin nun sehr froh, dass ich Entwarnung geben kann und wir alle unser Entsetzen wieder einpacken können. Nicht die Umstände sind schuld, sondern unsere Ahnungslosigkeit.

Weiterlesen

Profit als allumfassende Rechtfertigung

Ich stehe vor einem Stall, natürlich auf einem öffentlichen Feldweg. Die Türen und Fenster sind fest verschlossen, aber die Schreie der Schweine, die in diesem Stall eingepfercht sind, zerschneiden die zarte der Illusion von ländlicher Idylle und lassen einen Scherbenhaufen zurück. Wenn ich mich auch nur einen Schritt vorwärts bewege, den Grund des Bauern betrete, verstoße ich gegen Eigentumsrecht. Eigentum geht über alles. „Die radikalen Tierschützer brechen in Ställe ein, das ist Unrecht“, klingt es in meinen Ohren nach, „Und was Recht ist, muss auch Recht bleiben. Punkt.“ Ja, Punkt, denn in meinem Eigentum und mit meinem Eigentum, darf ich schalten und walten wie ich will. Stimmt das wirklich?

Weiterlesen

Im Stall

Der volle, blasse Mond erhellte den Hof, sodass wir die Taschenlampen vorläufig nicht brauchten. Kein Hund lag vor der Türe, und es brannte kein Licht. Es stand allerdings auch kein Auto in der Einfahrt. So gingen wir direkt auf die Stalltür zu. Kurz hielten wir inne, doch kein Laut war zu vernehmen, außer den Klagelauten der Schweine im Stall. Vorsichtig öffneten wir das große Tor, das nicht verschlossen, sondern nur angelehnt war. Wir schoben den einen Flügel gerade so weit auf, dass wir hindurchschlüpfen konnten. Ein atemberaubender Gestank schlug uns entgegen, und ich fürchtete schon ohnmächtig zu werden. Doch ich riss mich zusammen. Jetzt war nicht der Zeitpunkt, schwach zu sein.

Weiterlesen