Blut, überall Blut

Wir sitzen in der Höhle und starren an die Wand, nicht angebunden, zumindest nicht durch physische Fesseln, sondern gehalten durch Konventionen, soziale Abmachungen und scheinbare Unausweichlichkeiten. Wir bewegen uns nicht, damit wir uns der Illusion hingeben können, wir wären durch Fesseln gebunden. Erst, wenn wir uns bewegten, würden wir bemerken, dass es keine Fesseln gibt. Illusion von heiler Welt in Anbetracht des Unterganges, weil es uns die Bilder sagen. Nein, es ist nicht schlimm, sondern gut. Wir müssen nur immer so weitermachen, wie bisher. Nicht ablenken lassen vom bisherigen Weg, der doch erfolgreich war. Alle leben im Wohlstand. Alle haben einen Kühlschrank und ein Auto und einen Fernseher. Wer es nicht hat, ist selbst schuld. Ein Weg der Erfolgreichen, wenn man nur brav sitzen und der Illusion treu bleibt.

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Es sind doch bloß Babies

Max hat sich eingerollt, ganz eng zusammengerollt, in seiner Box, in der er in Einzelhaft leben muss. Natürlich hat er keinen Namen, nur eine Nummer. Es zahlt sich nicht aus, ihm einen Namen zu geben. Er ist doch bloß ein Kalb, dazu noch ein männliches, das bald tot sein wird oder irgendwo auf einem LKW, verfrachtet zum Schlachten. Ich habe ihm den Namen gegeben, um ihm einen Rest an Würde zu geben, als wäre er jemand gewesen, inmitten einer Industrie, in der er nur Etwas ist. Etwas, das Geld bringt oder nicht. Er bringt keines. € 8,49 ist er wert, in dieser Industrie. Da kostet das Futter mehr, das er braucht, dieser billigste Milchaustauscher. Selbst das ist noch zu teuer. Sein Wert bemisst sich nach seinem Nutzen. Er hat keinen, nicht in diesem System, aber für seine Mutter ist er die Welt. Er rollt sich zusammen, damit die Kälte weggeht, vor allem die der Einsamkeit. Dabei wollte er doch nichts anderes, als bei seiner Mutter sein. Saugen, nicht nur, um den Hunger zu stillen, sondern auch weil es gut tut. Doch er muss da sein, ganz alleine. Er versteht nicht warum. Dabei wollte er doch nichts weiter, als bei seiner Mama zu sein, so wie es sein sollte, nichts weiter, als zu leben.

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Die christliche Verlogenheit

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, lässt Johannes (14,6) in seinem Evangelium Jesus sagen. Der Weg, den wir gehen, die Wahrheit, die wir verkünden und das Leben, das wir achten sollten. Doch die meisten Christen, egal ob in der Hierarchie oben oder unten, scheren sich nicht darum. Doch was haben die Christen schon mit Jesus zu tun? Aha, den Weg ist er gegangen? Das kann schon sein, aber das ist mir zu mühsam. Sie hören die Botschaft, jeden Sonntag, verlassen die Kirche und machen es ganz anders. Denn was ihren Weg säumt, sind die Verlogenheit und der Tod.

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Ostern – Das Mordsfest

Ostern, so dachte ich immer und so hatte ich es auch gelernt, ist das Fest der Kreuzigung und der Auferstehung Jesu Christi, des Sohnes Gottes, des Messias, der auf die Erde kam, um die Menschen zu erlösen. So weit die christliche Lehre. Deshalb strömen auch die Menschen zusammen, am Tag der Auferstehung, um den zu preisen, der den Tod überwunden hat, das letzte Lamm, das geschlachtet wurde. Ehrfürchtig sitzen sie da und lauschen andächtig den Worten des Priesters, der dieses Opfer lobt und es glorifiziert. Stumm und demütig die Gemeinde, wortgewaltig der Prediger, doch noch während diese endgültige Überwindung des Todes gefeiert und bestaunt wird, die frohe Botschaft mit eingefrorener Miene gehört wird, ist selbst das Gotteshaus, wie es so euphemistisch genannt wird, voll des Todes, denn es ist üblich zu dieser Auferstehungsmesse unsere Mitgeschöpfe in toter Form mitzubringen. Da stehen sie vor dem Altar, zu dem laut CIC Frauen keinen Zutritt haben, die Körbe mit den Körpern der Toten, fein säuberlich in Stücke gehackt und angerichtet. Doch nicht nur, dass der Priester sie nicht samt und sonders zum Teufel jagt mit den Mordopfern, nein es wird auch noch gesegnet. Zusammengefasst kann also gesagt werden, während man die Auferstehung feiert und sich darüber freut, dass kein Opfer mehr notwendig ist, werden Millionen von Opfern dargebracht. Gottes Schöpfung wird zu Grabe getragen, während Jesu dasselbe verlässt. Ein offenkundiger Widerspruch, der nicht gesehen wird.

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Immer an meiner Seite

Ich sitze auf den Stiegen, die zur Eingangstüre zum Haus meiner Großeltern führen und versuche mich zu sammeln. Wann war ich das letzte Mal hier gewesen? Es muss viele Jahre her sein. Nichts mehr ist, wie es damals war. Meine Großeltern sind schon lange tot. Jetzt wohnt meine Tante in dem Haus, aber das ist nicht der Grund, warum ich ungern herkomme. Denn schon in diesem Damals, als sie noch lebten, war nichts mehr, so wie es vorher war. Vor dem Damals war eine glückliche Zeit für mich, diese ersten Jahre meines Daseins. Eigentlich bin ich hier aufgewachsen und mit an meiner Seite, so lange ich denken konnte, ein schwarzer Spaniel.

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Der Experimentator

„Schau mal, er ist endlich aufgewacht“, drang eine weibliche Stimme an sein Ohr. Er lag auf einem kalten Tisch. Es war ihm sofort klar, um welchen Tisch es sich handelte, einen klinisch sauberen, seinen Experimentiertisch, an dem er schon so viele Tiere festgeschnallt hatte. Die Zeiten, in denen man die Tiere, mit denen die Wissenschaft ihre Spielchen trieb, annageln durfte, waren leider vorbei. Wie sehr wünschte er sich, er hätte zurzeit Claude Bernards oder Rene Descartes gelebt. Da konnte man in seinem Labor noch schalten und walten, wie man wollte, ohne dass einem ständig jemand ins Handwerk pfuschte. Aber heutzutage musste man sich für jeden kleinen Pickser bei einer Maus rechtfertigen, als wenn eine Maus oder 10.000 oder mehr eine Rolle spielen würden. Dabei leisteten sie, er und sein Team, großartige Arbeit für die Wissenschaft. Er versuchte sich aufzurichten, doch er war an den Tisch gekettet. Nicht einen Zentimeter vermochte er seine Arme oder Beine anzuheben. Selbst der Kopf war mittels einer Halsmanschette fixiert, so dass er ihn nicht einmal von links nach rechts zu drehen vermochte, sondern nur stur geradeaus blicken konnte, mitten in die schwärzeste Dunkelheit, wie ihm vorkam.

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Normal und extrem

Normal ist es kurz vor Weihnachten einen gefällten Baum ins Haus zu bringen und ihm langsam beim Sterben zuzusehen, während das sog. Fest der Liebe gefeiert wird. Ab dem 06. Januar sieht man dann überall die Baumleichen herumliegen, ausgedient, weggeworfen und das alles für eine paar Tage der Behübschung.

Extrem ist es, sich in der Natur einen Baum zu suchen, den man für die Wildtiere mit etlichen Leckerbissen behängt. Extrem, weil man den Baum leben lässt und die Behübschung nicht nur für sich selbst macht, sondern auch um anderen Gutes zu tun. Aber das extremste ist, dass man den Baum nicht käuflich erwirbt und besitzen will, sondern ihn einfach in Ruhe lässt.

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Bis zum letzten Atemzug

Gefangen in den Alltäglichkeiten,
vereinnahmt von all den Dingen,
die zu tun sind,
zusammengepresst vom Druck des Faktischen,
hatte ich keine Wahl,
weil ich sie nicht haben wollte.
Keine Zeit.
Keine Geduld.
Keine Notwendigkeit.

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Das Schwein im Gemeindebau

Frau M. sitzt am Fensterbrett im sechsten Stock in einem Gemeindebau irgendwo am Gürtel in Wien. Sie hat ein blutiges Messer in der Hand.

Die Autos rollen durch die Straßen.
Eine einzige, große Blechlawine.
Eine Lawine, die ab und zu anhält.
Dann rollt sie wieder an.
Träge und gleichgültig.
In den Autos sitzen Menschen.
Geschützt vom Blech um sie.
Dazwischen gehen Menschen.
Sie haben fast alle ein Ziel.
Und wenn nicht, dann tun sie so als ob.
Sie versuchen einander auszuweichen.
Sehen zu Boden.
Jede geht ihrem eigenen Leben nach.
Durchlavieren, zwischen den anderen.
Als wären sie Hindernisse, die es zu umschiffen gilt.
Schöne und Hässliche,
Dicke und Dünne,
Erfolgreiche und Erfolglose.
Von hier oben ist es egal.
Sie sehen alle aus wie Ameisen.
Kleine, hektische Ameisen.
Geschäftig und getrieben und verängstigt.
So verbringen sie ihr Leben, ihre Zeit.
Und sehen nicht wie sinnlos es ist.
In der Früh schließen sie die Türe und gehen hinaus.
Um irgendwo anders gehen sie hinein.
Sie schließen eine Türe.
Türen werden sorgfältig geschlossen.
Damit niemand sieht was dahinter passiert.

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Lebendig in kochendem Wasser

“Ganz ruhig, es ist alles gut”, hörte Martinique eine vertraute Stimme, die wie aus weiter Ferne zu ihr drang, da sie den Sinn nicht fassen konnte, nur die Intention, “Du bist in Sicherheit, es kann Dir nichts passieren.” Langsam kam sie zu sich, da sie Christians Hände spürte, die eine, die sie hielt, die andere, die ihr sacht über die Stirn, die Wange strich. Es war wohl noch mitten in der Nacht, da sie ihn nur schemenhaft wahrnahm, als sie es endlich wagte die Augen aufzuschlagen.

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