Vegan ist Körperverletzung: Fleischersatz

„Stellen Sie sich vor, was mir letztens passiert ist!“, spricht mich eine Dame am Infostand ganz unverhohlen an, „Da geh ich in den Supermarkt und brauche was, was schnell geht, weil ich nicht viel Zeit hatte zum Kochen und da war dieses vorpanierte Schnitzel. Na viel ist nicht drinnen, dachte ich noch, aber für eine Mahlzeit reicht’s und ein Salatblatt hatte ich auch noch zu Hause, Sie wissen schon, wegen den Vitaminen. Also kauf ich das und hau‘s mir zu Hause in die Pfanne. Während das so vor sich hin brutzelt, schau ich mir die Verpackung genauer an, wollte nur wissen, was da für ein Fleisch drinnen ist. Und was entdecke ich? Da ist weder Kalb- noch Rindfleisch drinnen, sondern irgend so ein Sojazeug. Und schuld seid‘s ihr Veganer. Ihr müsst doch auf Biegen und Brechen alles nachmachen. Ich dachte immer, ihr wollt‘s kein Fleisch essen und dann nennt ihr es so.“

„Wenn man es genau nimmt und die Herkunft des Wortes Schnitzel anschaut, so bedeutet es einfach Schnitte“, erwidere ich, „Dass wir es nur für Schnitten aus Fleisch verwenden, ist eine andere Geschichte. Aber ich habe das Gefühl, dass Sie meinen, wir hätten Ihnen was weggenommen?“

„Was heißt weggenommen?“, fragt sie mich verblüfft.

„Namen für Speisen, die Fleischessern vorbehalten sind“, gebe ich zurück.

„Darum geht es nicht, sondern dass ihr Heuchler seid’s. Wenn ihr schon kein Fleisch esst, dann nennt es auch nicht so“, sagt sie pikiert.

„Schauen Sie, uns ist das letztlich egal, wie es heißt, denn es geht uns nur um eines“, versuche ich zu erklären, „Wir wollen nichts zu uns nehmen, nichts anhaben und nichts verwenden, wo Tierleid drinnen ist. In Ihrem Kalbsschnitzel ist das Leid eines Babies drinnen, das leben wollte und in meinem Sojaschnitzel sind nur Pflanzen drinnen.“

„Und wenn es eh egal ist, dann könnt ihr es auch anders nennen“, meint sie energisch, „Ihr tut ja nur so, in Wahrheit wollt ihr etwas, das wie Fleisch aussieht und auch so schmeckt.“

„Natürlich fällt es nicht jedem gleich leicht auf Fleisch zu verzichten“, gebe ich zu, „Dann ist es verwerflich etwas zu essen, was einem den Umstieg auf eine rein pflanzliche Kost erleichtert. Aber wie Fleisch schmecken ist Unsinn, denn Fleisch schmeckt nicht, sondern die Gewürze. Würde Ihnen Fleisch tatsächlich schmecken, so müssten Sie es roh und ohne Gewürze essen. Tun Sie das?“

„Natürlich nicht. Rohes Fleisch. Was für eine Idee. Das kann ja voller Salmonellen und was weiß ich was sein und ungewürzt, das wird ja immer besser“, sagt sie schroff.

„Aber so würde ein wirklicher Fleischesser vorgehen, roh und ohne Gewürze“, erwidere ich, „Was wir machen ist erstens dafür zu sorgen, dass Fleisch nicht so aussieht, als käme es vom toten Tier, und zweitens, es so herzurichten, dass wir es überhaupt essen können. Ich frage mich, was denn nun wirklich heuchlerisch ist. Ein pflanzliches Produkt so herzurichten, als wäre es aus Fleisch, oder Fleisch so herzurichten, als würde keines unserer Mitgeschöpfe dafür sterben müssen.“

„Ich durchschaue Ihre Taktik“, erwidert sie, die Augenbrauen hochgezogen, den Zeigefinger drohend erhoben, „Sie wollen jetzt mir ein schlechtes Gewissen einreden, vonwegen ich esse totes Tier und so.“

„Ich will Ihnen überhaupt nichts einreden, sondern nur darauf hinweisen, dass ein Tier sterben muss, damit Sie Fleisch essen können, aber das am besten so aussehen soll, dass man diese Tatsache ignorieren kann“, gebe ich zu bedenken.

„Sehen Sie, Sie machen es schon wieder, mir ein schlechtes Gewissen einzureden“, meint sie, „Es klingt so, als würden Sie mir sagen, ich morde ein Tier.“

„Zum Beispiel ein kleines, herziges Kalb?“, werfe ich ein, „Nein, das tue ich nicht. Aber wo ist der Unterschied, ob jemand mordet, damit ich davon profitiere oder ob ich es selbst tue? Außer zu behaupten, ich bin es nicht selbst gewesen. Das Ergebnis ist das gleiche, das Lebewesen, das Leben wollte, ist tot“ Und damit nehme ich eine Broschüre mit veganen Rezepten vom Tisch und gebe sie ihr. Nachdenklich blättert sie diese durch.

„Da ist ja gar kein Rezept mit Fakefleisch drinnen“, sagt sie plötzlich, „Da könnte ich mal was ausprobieren. Ich habe eh schon lange keine Linsen mehr gekocht.“

„Übrigens, haben Sie das Sojaschnitzel gegessen?“, hake ich nach.

„Ja, ich konnte es schwer wegschmeißen“, meint sie bitter.

„Hat es Ihnen geschmeckt?“, fahre ich dennoch fort.

„Ja, aber erzählen Sie es bloß nicht weiter“, erwidert sie und stapft von dannen, die Broschüre mit den Rezepten in die Tasche stopfend. Ob sie wohl Gefallen an der neuen Weise zu kochen findet? Zumindest besteht die Hoffnung.

2 Gedanken zu „Vegan ist Körperverletzung: Fleischersatz

  1. Christopher

    Ich mag den Schreibstil. Eine richtige schöne GEschichte, bei der man sich komplett hineinversetzen kann.

    Übrigens finde ich es witzig, dass es inzwischen die Fleischesser sind, die militant ihre Meinung vertreten. Und sind wir ehrlich, die Ersatzprodukte sind inzwischen wirklich, wirklich gut. Vielleicht nicht alles gesund, aufgrund der Zusätze, aber das ist bei Fleisch ja auch nicht anders.

    Danke jedenfalls für den Beitrag. Sehr schön gemacht. 🙂

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    1. novels4utoo

      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Und Du hast recht, wenn ich mir so manche Kommentare ansehe oder Gespräche höre, wie ich am Infostand oft angesprochen werde, da kommt schon sehr viel an Aggression rüber. Und ja, die Produkte werden immer besser. Es gilt wie bei allem, alles in Maßen und es gibt so viele leckere frische Sachen, nein, es ist kein Verzicht. Ich finde es einfach spannend all die Möglichkeiten zu entdecken.

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